Fr

26

Okt

2012

Bartender

Ich sitze an der Bar. Wahrscheinlich wohl schon eine ganze Weile. Für einen kurzen Moment wundert es mich, warum der nette Barmann mich noch nicht rausgeschickt hat. Denn so, wie ich gerade gekleidet bin, gehöre ich wohl weniger zu einem chiquen Hotel im ersten Bezirk der Wiener Innenstadt. Rotwein habe ich mir bestellt, obwohl ich einen Roten eigentlich ungern trinke. Der Nachgeschmack bleibt auf der Zunge und an den Wangen hängen. Ein grässlicher, trockener Nachgeschmack mit einem Hauch Bitterkeit. Das wird wohl der Grund sein, warum er gerade in meinem übergroßen Glas hin und her geschwenkt wird. Mein Blick beobachtet jede einzelne Bewegung, die durch das schwenken verursacht wird. Seit mindestens zwei Stunden wiederholt sich der Moment, wo ich mir zum 3.Mal ein Glas Rotwein bestelle. Er schmeckt viel zu bitter, um ihn alleine zu lassen.

"Brauchen Sie ein Glas Wasser?" Die Frage bringt mich aus dem Konzept, ich sitze doch nur hier um ein Glas Rotwein zu genießen. Ohne den monotonen Blick zu verändern, antworte ich mit einem "Nein danke, der Rotwein genügt meiner Zunge." "Bei so einem Blick wie ihren, sollte der Wein aber nach einer Weile  viel zu süß werden." Oh Gott - denke ich mir. Gibt es keinen Ort, wo es keinen Mann gibt, der dich einfach mal in Ruhe lässt. Mein Blick bleibt an der selben Stelle, ich möchte die Bewegung des Weines nicht verpassen.

Dann setzt sich die mir unbekannte Person an den linken Barhocker neben mir. "Den selben Roten bitte, Sir," sagt er und als hätte es der Barkeeper es schon gewusst, steht sein Glas schon auf den Tresen. Meine Einsamkeit wird durchbrochen. Ich nehme einen großen Schluck, bestelle mir dann nochmals einen Roten. "Sagen Sie mir Bescheid, wenn Sie ein Taxi wollen," spricht der nette Barman zu mir. Ich nicke ihm nur dankend zurück. Danach nehm ich wieder das Glas in meine Hand, und fange an, es wieder hin und her zu schwenken.

 

Ich bin dankbar, dass der Unbekannte neben mir, mich bei meinem Tun nicht unterbricht. Wir sitzen etwa eine weitere Stunde so weiter, der Alkohol in meinem Blut ist nun auch deutlich spürbarer geworden. Mein Blick wendet sich zur übergroßen Uhr hinter dem Barkeeper. Es ist schon 3 Uhr nach Mitternacht. Der Barkeeper bemerkt meinen Blick. "Taxi?" Ich nicke ihm zu und füge "In einer halben Stunde, bitte," hinzu.

In dieser halben Stunde, wende ich mich zum ersten Mal nach links, und betrachte erstmals die Hand des Unbekannten. Er spielt mit dem Fuße vom Glas, wischt es mit seinen rauhen Händen an der Oberfläche. Dann wandern sie zum Rande des Bodens und gleiten an dieser entlang, bis die ganze Runde durch seine eigene Hand verwehrt wird. Vom Augenwinkel bemerkt er meinen Blick, bleibt aber in seiner Position sitzen. Mein Blick wandelt sich automatisch weiter nach links. Wir blicken einander an. Er ist vielleicht ein paar Jahre älter als ich - zu meinem Erstaunen. Ich dachte ich wäre eine Minderheit von 24 jährigen Frauen, die einsam an einer teuren Trese in einem teuren Hotel sitzt, und Gedanken an ihren Rotwein verliert. Es sind nur wenige Sekunden gewesen, in welche ich ihn anblickte. Mein Gesicht wandert wieder auf zwölf Uhr, in zehn Minuten würde mein Taxi bald kommen.

Bevor ich nach meinem Mantel greifen kann, steht der Barkeeper neben mir und hält mir den Mantel offen. Ich lächle dankend und schlüpfe in den Schwarzen. Während ich mir die Knöpfe zu knöpfe, fühle ich den Blick von der Seite. Ich kann seinen Blick spüren. "Wenn es Ihnen nicht ausmacht, würde ich Sie gerne zum Taxi begleiten," sagt er. Ich blicke ihn nur an, und lächle. Ich gebe dem netten Barkeeper meine letzten Euro-Scheine und gehe Richtung Ausgang. Neben mir geht der Unbekannte.

Durch die Drehtüre kann ich das gelbe Taxi erblicken, der Fahrer steht wartend an der Taxitüre.

"Wenn Sie das nächste Mal hier sind, um ein Glas Wein zu genießen, sagen sie mir doch bitte Bescheid," sagt der doch wohl gut aussehende Mann neben mir als ich ihn das letzte Mal anschaue. "Ich habe die Unterhaltung heute genossen, auch wenn wir nichts gesagt haben." Wir - das habe ich schon lange nicht mehr gehört.

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Do

05

Apr

2012

Look what I've found

Eintrag vom 27. September 2011:

 

Müdigkeit zeichnet mein Gesicht, es ist sechs Uhr morgens und nicht einmal meine einzelnen Gliedmaßen gaben mir ein Zeichen dafür, jetzt aufstehen zu müssen. Es war mal wieder ein Montag, einer wie jener vor vier Wochen. Den einzigen Unterschied den ich verspürte, war, dass meine Augen sich nicht mehr so angeschwollen und leicht schmerzlich angefühlt haben. Die Taschentücher die mein Bett beschmückt haben, sind seit ein paar Tagen endlich entsorgt worden. Die Befürchtung von meinen eigenen Bakterien krank zu werden, hat mich dazu getrieben, sie zu beseitigen.


Es hat wohl noch eine Weile gedauert, bis ich mich endlich aus dem Bett zerren konnte. Mein Handwecker war auf 6:30 eingestellt und nun war es wohl doch Zeit aufzustehen. Unpünktlich zu sein, war mir nicht erlaubt. In einer Woche würden meine Prüfungen sein und meine Gedanken dürften sich nur noch auf meine Ausbildung konzentrieren, nicht auf Liebe und Kummer.


Um meine mentale Stimmung etwas aufzuheitern, schaltete ich das Radio ein. Heute sollte es wieder trotz Sonne, sehr kühl werden. Und im schlimmsten Falle noch Regen. Eine gute Voraussetzung für einen guten Start in den Tag war mir an diesem Tag wohl nicht gegönnt.
Frisch geduscht und schnell mit Kaffee gefrühstückt, packte ich meine Sachen und  ging los. Über die Jahre brauchte man mich gar nicht mehr zu fragen, wo ich von morgens bis abends bin, denn die Antwort wiederholte sich die kommenden Jahre. "Ich bin in der Bibliothek," antwortete ich immer. Wo sonst denn auch?


Jedes Mal wenn ich in der U-Bahn saß, betrachtete ich die Gebäuden und die Verkehrssituation dieser Stadt. Ich liebte solche Momente, weil es keine Möglichkeit gab, an irgendwelche Gefühle oder kuschelnde Paare zu denken, wenn man sich einfach auf seine architektonische Umgebung konzentrierte. Ich liebte den Altbau, und hatte mir für die Zukunft vorgenommen ´, mir auch eine Altbauwohnung zu kaufen. Natürlich mit den klischeehaften großen Fenstern und den Ausblick aus einer erhöhten Stelle, weit über der Stadt.


Manchmal strich mir der Gedanke an meine damalige Zweisamkeit mit ihm. Anstatt dass es mir ein warmes Gefühl schenkte, schauerte es in mir und die Tränen waren kurz davor, mal wieder auszubrechen. Doch ich hatte genug, und verwarf den Gedanken und die Vorstellung dieser Zweisamkeit. Es war vorbei, und das auch schon seit einigen Monaten.


Der Weg zur Bibliothek war nicht wirklich aufregend, doch ich liebte solche Morgenden. Der frische Wind, der hellblaue Herbsthimmel und das sorglose Gefühl an einen Morgen. Denn wenn ein neuer Tag beginnt, beginnt auch eine neue Einstellung.


Nun saß ich da, mal wieder, am selben Platz und manchmal auch ein bisschen versetzt. Da meine Studienkollegen von meinen zwischenmenschlichen Problemen informiert waren, fragten sie mich nicht mehr wie es mir ging oder ob alles bei mir in Ordnung wäre. Ich wusste es selbst nicht mehr, ob es mir gut oder schlecht gehen sollte. Meine Lebensfreude ist in den vergangen Wochen und Monaten aus mir entwichen und das einzige, was mich wirklich noch "straight ahead" blicken lassen ließ, war mein Studium. Keiner konnte mir sagen, dass ich irgendwas in irgendeiner Art und Weise falsch gemacht habe, oder Gefühle und Sonstiges berücksichtigen musste. Wenn du gut bist und viel lernst, konntest du auch alles erreichen was du willst. Und das war einfacher als zwischenmenschliches Hin und Her.


Früher begnügte ich mich damit, anderen attraktiven Männern hinterherzuschauen. Nun waren sie für mich eher "schwanzgesteuerte Idioten", die jede Schwäche einer jungen Frau durchschauen und ausnutzen wollten. Genauso hatte ich eine Einstellung gegenüber meines Sitznachbars. Er war groß und durch sein T-Shirt konnte man Ansätze eines gut trainierten Körpers erkennen. Doch mehr wollte ich auch nicht wirklich sehen. Er kam mir vor wie solche Typen, die von den jungen Frauen angehimmelt und umzingelt wurde. Ab und zu kam ein Mädchen vorbei, begrüßte ihn mit einem Lächeln und Bussis und dann war sie auch wieder weg. Nachdem sie sich dann umgedreht haben, wandte sich sein Blick auch auf ihren Hintern - offensichtlich. Darauf wandte er sich dann wieder seiner Arbeit zu. Idiot, dachte ich mir bei jedem Male.

 

Nach einer Weile fiel mir jedoch dann auf, dass er ab und zu zu mir herüber blickte. Es störte mich mehr und mehr, wie ich mich von ihm beobachtet gefühlt habe. Am Anfang dachte ich mir, ich würde es mir eingebildet haben, doch nachdem ich ihn zweimal beim Gaffen erwischt habe, bestätigte sich meine Vermutung. Je länger ich versuchte, mich damit nicht zu beschäftigen, desto schlimmer wurden seine offensichtlichen "I want to talk with you" Andeutungen. "Bitte, verpiss dich doch einfach," dachte ich mir. Um seine Nervosität noch mehr zu steigern, zappelte er mit seinen Fingern auf dem Tisch. Mit der Anderen spielte er mit seinem Kugelschreiber. Manchmal blickte ich rüber, aber nachdem ich ihn ja beim Gaffen erwischt habe, drehte er seinen Kopf eher in die andere Richtung. Oh Gott, war er nervig.
Irgendwann legte ich mir einfach meine Kopfhörer über meinen Kopf um seine Geräusche zu dämmen. Und es hat funktioniert. Zwei Stunden war ich von seinem Beat mit allen möglichen Gegenständen befreit, bis er mir an die Schulter tippte.

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Sa

31

Dez

2011

Someday it will stop hurting you. We hope.

Ich genoss den Moment, die Ruhe und die Zweisamkeit mit ihr. Ihre Haare dufteten nach frischem Meer. Langsam strich meine rechte Hand an ihren Kopf entlang, herunter Richtung Nacken und folglich arbeitete ich mich zu ihren Wangen vor. Sie waren weich und warm, so wie meine Finger sie immer in Erinnerung hatten. Ihre Augen waren verschlossen und sie genoss den Moment wohl auch gerade so wie ich es tat. Doch die Ruhe hielt nicht lange an. Plötzlich merkte ich, dass mein T-Shirt nass war, ihre Augen voller Tränen, ihr Atem unruhig und schnell. Ihre Hand klammerte sich an mein T-Shirt und sie hörte nicht auf zu weinen. Hab’ ich irgendetwas angestellt? Was hab’ ich Falsches gesagt? Sprachlos drückte ich sie fest an meine Brust, versuchte sie mit meiner Umarmung zu beruhigen. Doch sie hörte nicht auf. „Was ist denn los?“ fragte ich sie. „Warum hast du das gemacht?“ war ihre Gegenantwort. Das machte mich noch unsicherer und verwirrte mich. Meine Gedanken liefen heiß und ich kam zu keiner Antwort. „Was meinst du denn genau? Es tut mir Leid, aber ich weiß nicht was du meinst.“ Sagte ich ihr. „Warum...“ Sie stockte und konnte zunächst nicht antworten, erschöpft vom Weinen. Ich drückte sie immer noch und spürte wie ihr Atem langsamer wurde. Bis sie fort fuhr: „Warum hast du so lange mit allem gebraucht? Warum hast du mich nicht früher kennen lernen können? Warum hast du mich all die Jahre leiden lassen?“ Und dann verstand ich.

 

 

Wir waren auf Weg zu Flughafen. Seit Stunden haben wir kein Wort gewechselt. Manchmal blickte ich während der Fahrt zu ihm. Doch es kam keine Reaktion. Das Radio lief. Und wie wir alle wissen, laufen gerade die falschen Songs zu den meist deprimierenden Momenten. If I had the time, I’d stop the world to make you mine.

„Wo war mein Fehler?“ fragte ich ihn dann plötzlich. Er verstand mich beim ersten Mal nicht, also wiederholte ich die Frage und fügte noch hinzu „Es gehören immer zwei dazu. Und ich komm’ nicht drauf, wo mein Fehler war, dass es nicht funktionieren kann.“ Er stockte ein wenig, dann antwortete er: „Du hast nichts Falsches gemacht. Es sind die Umstände, die es nicht zulassen.“ Seine Antwort zerriss mich. Wie konnten Umstände, zwei Personen dermaßen umgestalten, dass keine Hoffnung zwischen ihnen bestehen kann? Seine Antwort verwirrte mich noch mehr. Und ich verstand es noch weniger. Umso mehr ich versuchte darüber nachzudenken, umso mehr Tränen fielen. Also versuchte ich, ruhig zu bleiben. Ich wollte nicht das dumme Mädchen am Beifahrersitz sein, die durch Tränen irgendwie Mitleid erhalten wollte. Also schwiegen wir uns weiter an, bis wir am Flughafen ankamen. Es ging alles schnell, der Parkplatz war sofort gefunden und dadurch dass wir ziemlich spät ankamen, gab es keine Zeit mehr für große Worte. Er nahm meinen Koffer aus dem Auto, stellte es hin und nahm mich dann in die Arme. Ich explodierte innerlich und konnte den Kummer nicht mehr halten. Es musste einfach raus, und ich tat mir selbst in den Moment leid. Meine eigene erbärmliche Person tat mir Leid. Ich weinte wieder um jemanden, der unerreichbar ist, den ich im Moment nicht mehr richtig trauen konnte und wo ich fühlte, dass er mir Dinge vielleicht vorenthalten hat. Aber ich wollte es nicht glauben, ich wollte meinem Gefühl widersprechen. Und das tat ich in dem Moment. All die Hoffnung, die ich in mir trug, war in dieser Umarmung. Das Schlimme war jedoch, dass ich dann doch loslassen musste. Und das wusste ich auch. Er blickte mich an, und sagte nichts. Ein leichtes Grinsen formte sein Mund. Er gab mir einen Kuss auf die Stirn. Ich konnte nur weiter weinen und hielt ihn fest. „Es tut mir Leid“, sagte ich im Stillen. Und ich wusste nicht einmal, warum ich mich entschuldigt habe. Meine Person tat mir Leid. Das, auf was ich mich eingelassen habe, tat mir Leid. Meine subjektiven Gefühle, die sich dermaßen mit meinem Verstand widersprachen, taten mir Leid. Wir blickten uns das letzte Mal direkt an. Ein Kuss, ein Auf Wiedersehen und die Schritte zum nächst gelegenen Eingang. Er blickte nochmals aus dem Auto, als er an mir vorbeifuhr und ich winkte ihn das letzte Mal hinterher. Und dann, war alles vorbei.

 

„Es tut mir Leid,“ waren meine ersten Worte. „ Ich hätte dich gerne in den Arm genommen, dir einen Kuss auf die Stirn gegeben und dir gesagt, dass ich für dich da bin und dass du nicht mehr weinen musst. Und jetzt bin ich da. Und ich werde dich auch nicht mehr ungewollte weg gehen lassen.“

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Di

27

Dez

2011

Just another girl, I hope not.

Der Raum ist leer. Und sie liegt im Ungewissen, und alleine. Er ist ausgegangen, ohne sie. Natürlich muss sie verständnis zeigen, sonst wäre dies ein Anzeichen für Intoleranz. Und das ist sie ja nicht. Oder sie versucht es nicht zu sein.

Wie sieht es mit der Eifersucht aus? Zu groß und zu erschwerend. Keine Ahnung wie oft sie kurz davor war, auszubrechen, zu weinen und "out of control" zu sein. Aber wie gesagt, sie war nur kurz davor. "Jetzt musst du stark bleiben," sagt sie zu sich. Dennoch, das Gefühl von Stärke ist gar nicht da. Angst und Kummer breiten sich immer mehr und mehr in ihr aus.

 

"Ich habe das Gefühl, nicht hier sein zu dürfen."

Warum hast du mich trotzdem hierherbestellt? Um vielleicht selbst herauszufinden, wo du selbst stehst? Um eine Bestätigung für irgendwas zu finden? Oder doch nur einen Zeitvertreib zu haben?

Sie weiß es nicht. Und sie weiß nicht mal, ob sie es wissen sollte.

Im Ungewissen zu stehen und versuchen dabei, Momente zu genießen, sind zwei gegensätzliche Dinge, die niemals zusammen finden sollten. Was am Ende raus kommt, ist nur Chaos. Und Tränen.

 

Mindestens vier Wochen wird er Weg sein. Und die Wahrscheinlichkeit, dass er sich für ihr gutes Gewissen melden wird, ist so gut wie Null. In diesen Wochen, wird sie untergehen, traurig sein und einfach zerbrechen. Und nach und nach wird der Glaube an einen positiven Ausgang verschwinden.

 

"Es fühlt sich so an, als wäre ich an einer Abzweigung mit so viele Möglichkeiten. Aber ich habe nicht einmal das Gefühl, irgendeinen Weg einzuschlagen. Ich möchte mich nur dort hinsetzen und warten. Warten bis der Kummer irgendwann verfliegt." "Ja, manchmal können wir uns es einfach nicht aussuchen. Das Leben eben," sagt ihre Freundin am Telefon. "Versuch stark zu bleiben." Ihre Antwort: "Ich weiß nicht mal, ob ich jetzt schon zerbrochen bin."  

 

Nächster Anruf: "Versuch auf ihn zu warten, du hast nur ein paar Wochen deines Lebens zu verlieren. Hautpsache, du hast gewartet."

 

Folgende Anruf: "Versuch ihm zu vertrauen."

 

Sie legt auf. Dreht sich zur Seite, mit der Decke um ihren Arm. Versuch zu schlafen, sonst wirst du nur noch trauriger..

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Di

13

Dez

2011

Sackgasse.

Egal was du tust, nichts von dem kann gut oder schlecht, richtig oder falsch sein. Es ist eben eine Ansichtssache. Und wenn du mit deiner Entscheidung, deinem Denken und deinen Glauben zufrieden bist, dann ist es für dich das Beste. Doch was ist mit den Menschen um uns und besonders mit jenen, die von der eigenen Entscheidung positiv oder sogar negativ betroffen sind? Wie viel Rücksicht müssen wir auf unsere Menschen nehmen, um glücklich und zufrieden zu sein? Diese Frage stell’ ich mir im Moment sehr oft und dennoch habe ich noch leider keine eindeutige und akzeptable Antwort gefunden. Das einzige, was ich weiß ist, dass man das gute Gefühl und den schönen Moment wertschätzen soll, egal ob es für jemanden richtig oder falsch gewesen ist. Aber dennoch spielt das Gewissen in jedem Gedanken mit und dann ist doch kein Platz mehr für das vielleicht gute Gefühl. Und ich hasse dieses Gefühl.

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Mi

16

Nov

2011

Because we believe.

Zwischen Verstand und Herz entscheiden zu müssen, fällt nicht jedem so einfach. Je nachdem, wie rational ein Mensch denken kann, spielt das Gefühl und das Herz eine mehr oder eine eher weniger große Rolle. Doch auch den rationalsten Menschen kann Trauer, Wut und Verzweiflung zum Fallen bringen.

 

Sie wusste genau, was eigentlich in diesem Moment richtig und falsch gewesen wäre. Sie hätte einfach vorwärts blicken, positiv denken und einsichtig sein müssen, um diese Entscheidung fällen zu können. Doch es ging nicht. Zu viel dafür gearbeitet, zu viel dafür gehofft und zu viel geliebt hat sie. Würden die Streitereien mit der Harmonie, welche beide nicht sehr oft hatten, in Relation gestellt werden, könnte ein rational handelnder und denkender Mensch sagen, dass diese Beziehung gerade in die falsche Richtung läuft. Die einzige Gegenantwort, die ein „Herz“-Mensch sagen könnte, um all diese Wut und Trauer zu rechtfertigen, wäre: „Weil ich ihn liebe.“

Verzweifelt und ohne jegliche Lebensfreude saß sie da. Und es gab nichts, was ich ihr sagen konnte, um sie ein wenig aufzumuntern. Das einzige was ich ihr im Moment geben konnte war mein Rückhalt und mein offenes Ohr. Du kannst einen emotionalen Menschen nicht mit Sachverhalten, Pro und Cons kommen, im Glauben dass er es mit Leichtigkeit annehmen würde. Diese Person ist im Moment in dieser Ebene nicht erreichbar. Der Verstand hat ausgesetzt und das Herz ist das einzige, was gerade nach irgendeiner Antwort sucht. Denn der Verstand wusste eigentlich schon von Anfang an, was das Beste sein würde.

Ihr Glas war leer. Das Erste trank sie mit Leichtigkeit aus. Wir beide hatten den zweiten Shot hinter uns und eigentlich war ich nicht wirklich in der Stimmung, mich mit Alkohol volllaufen zu lassen. Sie wollte noch einen dritten, doch ich hielt sie zum Glück davon ab. Dafür gab es einen weiteren Cocktail als Ersatz.

Ihre Laune schwankte zwischen kurzer Freude und Depression. Sie hätte weinen können, aber das tat sie nicht. Besonders nicht vor mir und das wusste ich. Und ohne, dass sie es in dieser Situation wahrgenommen hat, war sie ein starker und selbstbewusster Mensch. Auch wenn man Schwäche zeigt, hießt es nicht, dass jemand einen labilen Charakter hat. Ganz im Gegenteil. Ab dem Moment, wo man seine Schwächen und besonders Fehler einsieht, ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, aus diesen zu lernen und sich selbst besser kennen zu lernen.

Es war ein wenig seltsam für mich, jemand in einer Lage zu sehen, in der ich vor einigen Jahren war. Und ich selbst, hab erst nach einer Weile wirklich daraus lernen können und folglich konnte ich nun endlich loslassen. „Für mich ist es so, wie es gerade geendet hat, nicht vorbei.“ Diese Worte hätten auch meine sein können.

 

Jemand mit offenen Fragen stehen zu lassen, ist das schlimmste, was man einer anderen Person antun kann (mental gesehen).

Für alle, die gerade nicht wissen was sie tun. Es ist ok, und es ist nichts falsch daran, nicht zu wissen, wohin es gehen soll und ob ihr gerade das Richtige tut.

Ihr tut euch selbst nur das Richtige, wenn es euch wirklich glücklich macht. Und wenn ihr euch selbst dabei nicht aufgeben müsst.

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Di

18

Okt

2011

Eiskalt

Mal wieder so ein verdammt eiskalter Tag. Eigentlich müsste ich mich seit den Wochen daran gewöhnt haben. Ich blicke aus dem Fenster, doch außer dem Schneesturm und der Dunkelheit, die sich hinter dem Chaos verbirgt, sehe ich nichts. Jack hab ich hineingerufen, er hätte diesen Sturm draußen diesmal nicht überstehen können. Er liegt neben dem Kamin, schlafend und hungrig. So wie ich. Seit Tagen konnten wir durch den Sturm nicht nach Büffeln Ausschau halten. Einer hätte gereicht, um uns mindestens eine Woche durchzubringen. Alles was wir im Moment haben, sind eingelegte Gurken und etwas Huhn, welches ich damals noch am Markt für ein paar Münzen und nach langem Verhandlungen ergattern konnte.

Ich setze mich neben Jack und kraule ihn ein wenig auf dem Kopf. Seine Augen öffnen sich leicht und er erwidert meine Zuneigung mit seinem typischen Blick. Dann schließt er wieder seine Augen. Er ist schon acht Jahre alt, doch diese acht Jahre machen ihn zu meinem besten Partner. Besonders seit den letzten Monaten, die wir hier in dieser eisigen Kälte verbringen. „Wir werden sie bald finden,“ sage ich. Und mit „sie“ meine ich meine Frau und meine kleine Tochter. Seit zwei Monaten werden sie vermisst, sie sollten mit der Kutsche nach Hause kommen, doch die Kutsche kam nie an. Man vermutete, dass sie Räuber gefangen genommen haben. Oder sogar schlimmeres sollte ihnen zugestoßen sein. Doch daran wollte ich keinen einzigen Gedanken verlieren. Meine Tochter ist auch acht Jahre alt. Jack ruft manchmal nach ihr, so wie ich tagtäglich an sie und meine Frau denken muss. Sie sind beide zusammen groß geworden, und Jack hat sie, egal wo auch immer, begleitet und beschützt.

Und nun suchen wir beide seit zwei Monaten die Gegend ab, doch wie man sieht, ohne jeglichen Erfolg.

Jack spürt meine innere Spannung und öffnet seine Augen. Er richtet sich leicht auf und legt seinen Kopf auf meine Oberschenkel, mit den Blick in meine Augen. Morgen früh brechen wir sofort auf, denke ich mir, denn wir habe noch nichts verloren.

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Mi

14

Sep

2011

In weiter Zukunft.

Wir gingen seid einer Weile schon im Stadtpark spazieren. Seine Hand hielt die meine. Kaum zu glauben, dass es noch Orte in einer Großstadt gab, die einem das Gefühl gaben, sich in der Natur aufzuhalten.
Die Dämmerung hat schon eingesetzt und die Sommersonne färbte den Himmel in warmen rotgelben Farben. Während etwa einer halben Stunde wechselten wir keine Worte und genossen den warmen Wind, der leicht aus dem fernen Süden zu uns geblasen wurde.
Ich blickte zu ihm und bemusterte seine Statur. Er war zwar nicht gerade groß, aber zumindest größer als ich. Sein Händedruck, den ich seit der halben Stunde an meiner linken spürte, war trotz seines muskulösen Körperbaus und seinen kräftigen Armen immer noch sanft und angenehm.
Nach ein paar Sekunden bemerkte er mein Gaffen und gaffte zurück. "Ist irgendwas?" fragte er mich. Ich lächelte ihn nur an und wendete meinen Blick von ihm ab. "Gaffen, aber nicht sprechen. Typisch." fügte er mit ironischen Ton hinzu.
Daraufhin klammerte ich mich an seinen linken Arm und genoss seine Wärme und Sicherheit, die er ausstrahlte.
Wer hätte gedacht, dass ich dieses Gefühl wieder erleben würde, nach all den Dingen, für die ich mich damals entscheiden musste. In solchen Momenten, bestätigte sich meine "richtige" Entscheidung. Eine kurze Trauer schauerte mir den Rücken herunter, als ich mich daran erinnerte, wie ahnungslos, hoffnungslos und unsicher ich mit meinen Entscheidungen war. Und besonders der Kummer und die Trauer, die ich wochen- und monatelang mit mir mit trug.
Es ist eine persönliche Entscheidung, sich durch schlechte Erfahrungen und Gefühlen kämpfen zu wollen, um irgendwann einmal vielleicht das Licht am Ende des Tunnels zu erreichen.
Und der Mann an meiner Seite, ist das Geschenk, welches ich am Ende des Tunnels endlich sehen und erkennen durfte.

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Di

23

Aug

2011

Ein Moment der Realität.

Ein Moment der Realität.

Sie schreitet so schnell wie sie kann, doch sie ist doch noch nicht am Laufen. Zuhause sein, hinter den vier Wänden möchte sie sein. Also geht sie so schnell wie sie kann. Auch wenn sie weiß das niemand auf sie zu Hause warten wird. Den einzigen Vorteil den sie sich aus ihren vier Wänden ziehen kann, ist zu Weinen ohne dass es jemand sehen und hören kann. Weinen, um ihre Trauer und ihre Angst heraus zu lassen, welche sie eigentlich schon die ganze Zeit mit sich trug, doch niemals zugeben wollte. Oder es zu ignorieren versuchte.

Bei jedem Schritt versucht sie, die Trauer zurück zu drängen. Manchmal kann sie es nicht zurück halten und langsam werden ihre Augen wässriger, ihr Blick verschwimmt. „Hör auf zu weinen, “ sagt sie zu sich selbst. Doch egal wie sehr sie es versucht, es gelingt ihr nicht.

Als sie die Tür hinter sich zuschließt, schießt alles Emotionale aus ihr heraus. Es ist ein knallhartes Feuerwerk aus Angst, Unsicherheit und Zweifel. Das Herz wiegt ihr Schwer im Körper und es tut einfach weh. Und sie weiß nicht einmal, wie sie dies alles aushalten soll.

Die Angst davor alleine zu sein ist groß. Die Gewissheit zu haben, im Moment alleine zu sein, ist erstechend. Natürlich weiß sie, dass es Menschen in ihren Leben gibt, die sie zu tiefst liebt und respektiert. Doch zu wissen, dass sie in letzter Zeit all diese Menschen vernachlässigt, enttäuscht und verletzt hat, ist ihr zuwider. Und es tut ihr Leid. Das Handy liegt zwar in Reichweite, doch es bleibt still. Und unangetastet.

Unglücklicherweise gehört sie nicht zu jenen Menschen, die nach Hilfe rufen und erhört werden möchten. Sie gehört zu jenen Leuten, die anderen die Schulter zum Weinen anbieten möchten, ihnen zuhören möchte und ihnen zur Seite steht. Sie darf einfach nicht unglücklich sein. Es ist immer wieder schön gewesen, zu hören, wenn jemand zu ihr gesagt hatte, dass sie einen aufgemuntert hat. Dass sie wegen ihren Positivismus und Ehrgeiz bewundert wurde. Dass sie einfach anderen Hoffnung gegeben hat, wenn es IHNEN schlecht ging – nicht, wenn es ihr schlecht ging.

Doch wie naiv und dumm ist es zu behaupten, niemals unglücklich sein zu können? Wie wir gerade sehen, geht es ihr anscheinend nicht gut. Und sie weiß auch nicht, wie es die nächsten Tage so weiter gehen soll.

Das Einzige was sie im Moment weiß, ist, am nächsten Morgen mit einem Lächeln aufzuwachen und irgendwie optimistisch zu bleiben. Erst am Abend wird wieder dann die Gelegenheit kommen, so schnell wie möglich zu gehen, vor der Realität wegzuschreiten und sich hinter den vier Wänden zu verschließen. Um einfach traurig zu sein.

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Di

16

Aug

2011

Ehrlichkeit kennt keine Grenzen.

Klar. Deutlich. Ausdrucksstark. Verständlich. Emotionslos. Kurz. Eigenschaften einer Erklärung. Eine Erklärung für jemanden, der eine eindeutige Antwort auf eine lebenswichtige Situation benötigt. Und alles verlief eigentlich unkompliziert.

Wie soll man jemanden erklären, den frau mag, dass sie auf nichts seriöses hin arbeitet? Wie soll frau jemanden erklären, der so liebenswürdig, aufrichtig und irgendwie doch perfekte Mann für frau ist, dass keine ernste Beziehung aus ihnen werden kann. Die letzten zwei Sätze scheinen mir nach eher widersprüchlich, aber doch ernst zunehmend.

Nachdem wir uns durch meine Schwester kennen gelernt haben, merkte ich nach dem dritten Male unserer Begegnung, dass du wohl eher mehr Phantasien im Kopf hattest, als ich es überhaupt jemals hatte. Was es auch für Vorstellungen und Hoffnungen waren, stimmen sie jedoch nicht mit dieser Realität ein. Und nicht mit meiner Vorstellung unserer Beziehung.

Ohne es zu merken, baute sich mehr und mehr meine Defensive ab ohne dass ich das überhaupt bemerken konnte. Und ich empfand mehr und mehr Sympathie für dich.

Nachdem du aus England wieder nach Wien gekommen bist, trafen wir uns nach einigen Monaten wieder. Wir sind Essen gegangen, haben gelacht und geredet. Für mich war es ein unterhaltsamer Abend.

Auf dem Weg zur U-Bahn passierte dann das eigentlich nicht „unmögliche“ wie in vielen Situationen, sondern das eigentlich zu Erwartende. Du hast meine Hand genommen und sie fest gehalten. Ich wusste nicht wie ich darauf reagieren sollte, lies diesen Moment so, wie er anfing bis wir die U-Bahn endlich erreichten.

Ich habe mich nie darauf eingestellt, wie ich handeln sollte, obwohl ich es jetzt eigentlich besser weiß: Es hätte so nicht passieren dürfen. Und dann haben wir uns dann auch noch geküsst. Und mein innerer Chaos war überströmt von deinen Phantasien.

Und jetzt stehst du vor mir, glücklich und hoffnungsvoll. Du wartest gerade auf eine Fortsetzung meines „Ich muss mit dir etwas sagen“-Satzes. Es ist traurig zu wissen, dass das, was ich dir jetzt sagen werde, höchstwahrscheinlich traurig machen wird. Und dich wahrscheinlich auch verletzend wird. Und es tut mir Leid.

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Di

02

Aug

2011

Sometimes it just happens...

Sometimes it just happens…

Meine Schwester musste mir natürlich wieder das Leben schwer machen, nur damit sie ein wenig mehr Glück im Leben hat. Natürlich freue ich mich für sie, aber das Wort Dankbarkeit ist ihr wohl immer noch ein Fremdwort.

Die Tische mussten noch gedeckt werden und generell wurde alles noch nicht so für die Hochzeit vorbereitet, wie ich das eigentlich geplant habe. Meine Schwester war mir keine große Hilfe. Sie plagte schon mit ihrer Aufregung, ihrer wechselnden Laune und den herrschenden Unterton in ihrer Stimme. Sowas nannten wir natürlich auch einfach nur „Braut“, obwohl sie sogar eigentlich zu einer noch spezielleren Art von Bräuten gehörte. In ein paar Tagen durfte dieses Wesen den Bund mit einem anderen Mann eingehen, der sie so akzeptiert, wie sie nun ist – diese spezielle Braut.

Ich hatte sowieso schon vieles um die Ohren wegen meinen kommenden Klausuren. Aber sie konnte ja nicht mehr lang genug auf die Hochzeit warten Und nicht mal ein paar Wochen später. Folglich war es eher ein Chaos im Festsaal, als ein schöner, dekorierter und feierlicher Hochzeitspalast. Meine Gedanken griffen von einem Problem nach dem Anderen, während ich das Besteck fast perfekt auf die Tische platzierte. „Darf ich dir helfen? Du schaust vom Besteck genervt aus, fragte mich ein überaus großer junger Mann. Er sah durchschnittlich aus, nichts Bemerkenswertes. Seine Größe stach eine überaus große Freundlichkeit aus, die dies durch sein Wesen als Brillenträger nochmals verstärkte.

Ich starrte ihn etwas verwirrt an, denn ich hatte das Gefühl, dass wir uns schon kannten. Also kam meine Gegenfrage „Kennen wir uns nicht?“ Er war etwas überrascht und sein wechselnder Blick verriet, dass er mich anscheinen vergessen hat. Naja, ich wusste ja auch nicht mehr wirklich wer er eigentlich war.

Es fiel ein bekannter Name, er lachte, dann lachte ich auch, dann die Einsicht, dann die alten Erinnerungen und schließlich das Gefühl, dass man jemand vertrautes wieder gefunden hat. Es stellte sich heraus, dass wir uns damals vor etwa zehn Jahren kennen gelernt haben und er sogar in der Stadt gewohnt hat. Durch seine schulische Ausbildung zog er jedoch nach Amerika und kam nur nach Deutschland, wenn seine Eltern mal wieder das Bedürfnis hatten, ihren engsten Familienmitgliedern auf die Pelle zu rücken. Und er wurde natürlich mitgerissen.

Sein verkorkstes Deutsch gemischt mit einem amerikanischen Slang war sehr belustigend, also einigten wir uns darauf, eher auf Englisch zu reden und notwendigerweise in unserer Muttersprache. Sonst hätte ich während unseren Unterhaltungen wohl eher nur gelacht, anstatt zu reden.

Wir redeten viel und tauschten Interessen von A bis Z aus. Die ganze Aufregung um die Hochzeit und um meine Klausuren verblasste in seiner Nähe. Und dies tat mir auch gut.

Am Tag der Hochzeit sah es natürlich wieder ganz anders aus. Aufregung, Hektik und Chaos wie jeder sie wohl während einer Hochzeit kannte. Die einzige Möglichkeit, um für eine kurze Zeit für mich alleine zu sein, war in der Umkleide der Braut. Natürlich wechselte ich meine Kleidung vom Kirchlichen zur Abendgarderobe. Genau in dem Moment, wo ich eigentlich meinen Reisverschluss zu ziehen wollte, und sozusagen noch halbnackt in der Garderobe stand, kam mein alter Freund rein und war gerade dabei, irgendetwas über die Hochzeit zu fragen. Mein entsetztes Gesicht traf sein noch Fröhliches. Dann überkam ihm Scham und er drehte sich sofort zur Wand. „Oh my gosh I am so sorry. I am really sorry. Sorry!” sagte er. Ich konnte nur darüber lachen und meinte nur, dass es in Ordnung war, da ich ja nicht wirklich nackt in der Gegend rumgestanden bin. Dieses Ereignis war jedoch nicht einmalig. Komischerweise traf ich ihn nie irgendwo bei der Hochzeitsfeier an, sondern nur bei der Garderobe während ich mich umziehen wollte. Nach dem dritten Male, kam er schon automatisch mit dem Rücken zu mir und dem Gesicht zur Wand in die Umkleide und fügte immer nur hinzu: „I won’t see anything. Look, I am even talking to the wall instead of talking to you!“ Süß.

Als die Hochzeitsfeier sich langsam dem Ende nahte, tauschten wir E-Mail-Adressen aus. Ehrlich gesagt, dachte ich eher, dass wir wohlmöglich nicht mehr in Kontakt treten werden, denn in den meisten Fällen ist das ja so. Es sind Momente, die einmalig bleiben, sowie einige Menschen, die wir einmalig im Leben kennenlernen.

Doch ich lag falsch. Drei Tage später leuchtete mein „Sie haben Post“-Zeichen auf, und sie sah seine E-Mail. Dann haben wir uns wiedergesehen. Gelacht. Geredet. Und uns gemocht. J

(P.S.: „Gemocht“ hört sich in diesem Kontext falsch an, aber bitte nehmt das wortwörtlich. Wir wollen ja nicht schweinisch sein.)

 

Dedicated to my very dear friend. Kate.

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Mi

04

Mai

2011

Thank you. Whoever you are.

Stundenlang saß ich da, unkonzentriert und in einer ganz anderen Welt. Meine Vorstellungen und Überlegungen richteten sich an mein zukünftiges Vorhaben. Der Gedanke daran machte mich schon unruhig und verwandelte mich wieder in einen kleinen Teenager, der kurz davor war, entjungfert zu werden.

Die Ungewissheit und der innere Kampf in mir war unaufhaltsam.

"Ich will wissen, wer du bist," sagte ich zu mir. Solange ich da saß, stieg meine Ungewissheit mehr und mehr. Vorwürfe und Kindereien schalteten zwischen Vernunft und Selbstbewusstsein. Was ist denn daran so schwer gewesen, jemand Fremden anzusprechen? Heute habe ich eine Antwort darauf erhalten: Denn manchmal erwartet man mehr vom Leben. Positive Auswirkungen, aber zu diesen Thema komme ich ein andermal.

 

Meine Freundin ist vor etwa einer Stunde gegangen, eine andere Freundin saß noch neben mir und schaute mich ohne jegliche Ahnung, was gerade in mir vorging, seltsam an. "Ist irgendwas? Warum grinst du so?" fragte sie mich. "Das erkläre ich dir, wenn es schon passiert ist." antwortete ich ihr. Daraufhin lächelte sie mich an und drehte sich wieder zurück zu ihren Büchern. Wenn er nach Hause geht, spreche ich ihn an, beschloss ich.

Es vergingen Minuten um Minuten, in der ich vergeblich versucht habe, mich auf meine Bücher und meine bald kommenden Prüfungen zu fixieren. Natürlich ohne jeglichen Erfolg. Dann fiel mir auf, dass ich meinen Taschenrechner im Spint liegen gelassen habe. Also holte ich ihn mir. Als ich von meiner körperlichen Abwesenheit mich wieder auf meinen seit 10 Stunden aufgewärmten Stuhl wieder gefunden habe, packte Mr.Idonktknow seine Sachen.

"Oh mein Gott, jetzt musst du stark sein!" dachte ich mir. Er packte und packte und ich warf ab und zu einen Blick auf ihn. Natürlich bemerkte er es und starrte zurück. Noch offentsichlicher konnte ich das natürlich nicht machen. Nach einigen Minuten war er mit dem Aufräumen fertig und entfernte sich von seinem Platz.

Ich zählte nun die einzelnen Sekunden, die seine Entfernung nach und nach kalkuliert haben. Bald wäre er weg und mein kleiner Mut, den ich mir in den Stunden angesammelt habe, würde auf nimmer wieder sehen, verschwinden.

Dann stand ich einfach auf und dachte mir "Wenn es schon geschieht, dann jetzt." Ich ging mit erhöhten Tempo zu den Treppen. Als ich die Treppen herunter hastete, sah ich ihn von weitem und er blickte genau in diesem Moment zurück. Und er sah mich. "Ok, jetzt gibt es kein Zurück mehr," sagte ich zu mir. Ja, es waren viele Momente mit Monologen an diesem Tag.

Es war alles schon teilweise eingeplant: Wo ich ihn fragen und was ich sagen wollte. Wie ich stehen und antworten sollte und wie ich auf die drei möglichen Antworten von ihm eingehen konnte:

Antwort eins: Ja, ich will einen Kaffee mit dir trinken gehen. (OMG der Wahnsinn)

Antwort zwei: Sorry, ich bin schwul. (Das ist natürlich nicht ernst gemeint)

Antwort drei: Ich habe eine Freundin. (Und das vermutete ich schon seit langem)

Doch leider ging natürlich nicht alles so nach Plan. Als er bei seinem Spint war, stand zufällig einer seiner Freunde bei ihm. Das hinderte natürlich meinen geplanten Weg, sodass ich versuchte, schnell zu handeln. Und ab diesem Moment, konnte nur noch alles dramatisch verlaufen.

Damit ich möglichst unaufällig (ähh ja -__-) wirkte, ging ich auf meinen Spint zu, griff nach meiner Geldbörse, um mir Kleingeld zu holen und kramte einige Male nochmals in meiner Tasche herum. Natürlich habe ich gehofft, dass der Stein, der neben meinem Ziel stand, endlich verschwinden würde. Dies traf nicht ein, also ging ich einfach zum Kaffeeautomaten, um mir einen Plan B zu überlegen.

Während der Automat vor sich hin brühte, sank mehr und mehr der kleine Mut, der mir nur noch winzig in meinem Kaffeebecher erschien. Ich hätte nicht den Mumm, ihn während der Anwesenheit eines Freundes, nach einem Kaffee zu fragen. Denn sogar jetzt war ich mit meiner Misere überfordert.

Also gab ich auf und ging mit meinen viel zu heißen Billig-Kaffee zurück zur Bibliothek. Und sie kamen mir entgegen. Als die Tür aufging, huschte ich an beiden vorbei. Ein letzter Blick von ihm zog den kleinen Mut nochmal aus mir heraus. Ich wusste genau, dass sie sich mehr und mehr von mir entfernten, während ich Richtung Bibliothek ging. Ich stoppte vor dem Eingang und überlegte mir nochmals meine Möglichkeiten.

Dann kam dieses etwas "Es muss mir jetzt egal sein, was kommen könnte." Meine Kaffee, den ich auf einen Schlag wegtrinken wollte, verbrannte teilweise meinen Hals, also schüttete ich ihn weg und sagte mir "Scheiß einfach drauf. Egal was passiert." Und ich ging zurück in seine Richtung.

Von Weitem konnte ich sehen, dass er sich von seinem Freund verabschiedet hatte und "das" war nun "mein" Moment. Er hatte es ziemlich eilig und erhöhte sein Tempo. Und ich wollte ihn, bevor er aus dem Gebäude war, erwischen, da es nicht gerade sehr warm draußen war und ich ihn mit zitterten Körper nicht fragen wollte. Also sprintete ich auf ihn zu. Und das machte mein Vorhaben noch offentsichtlicher. Dank meiner Ballerinas, die bei jedem Schritt einen lauten Knack von sich gaben, bemerkte er mich und drehte sich um. Nur er war der Einzige, auf den ich zugehen konnte. Denn um ihn, war keiner mehr anwesend.

"Hey!" sagte ich und er sagte auch "Hallo." Mein Grinsen konnte ich nicht aufhalten und ich fing dann einfach an zu reden. "Es ist mir wirklich peinlich" (ein fettes Grinsen auf seinem Gesicht)"... denn ich kenn dich eigentlich gar nicht." (noch ein fetteres Grinsen auf seinem Gesicht). Aus Höflichkeit stellte ich mich mit meinem Namen vor. Seinen Namen möchte ich hier natürlich nicht preisgeben. Dann setzte ich meine schrägen Sätze fort: "Wie gesagt, es ist mir wirklich peinlich,... AAAAAAAAAABER ich wollt dich fragen, ob du vielleicht Lust hast mit mir auf einen Kaffee zu gehen." Sein Grinsen war unaufhaltsam und genau in dem Moment, wo ich ihn gefragt habe, ahnte ich seine Antwort. "Das ist wirklich lieb von dir," fing er an zu sagen, "aber ich habe eine Freundin." Dummerweise, war ich nicht wirklich auf diese Antwort vorbereitet. Natürlich irgendwie schon, aber ich hatte nicht vor zu sagen "Dann hast du jetzt was verpasst" oder Ähnlichem (Meine Freundin hat ihr später sogar den Tod gewünscht - aber das war hoffentlich auch ironisch gemeint). Ich freute mich irgendwie für ihn. Auch wenn mir meine Situation jetzt wirklich unerträglich dämlich vorkam. Aus meiner Sicht natürlich.

Das Schlimmste, was man generell auf unerwartete Antworten selbst antworten konnte, war ein "Oh." (Stille) "Na dann, war es trotzdem ein Versuch wert," rundete ich meine Einladung ab. Ich drehte mich daraufhin gleich um und ehrlich gesagt, kann ich mich leider nicht daran erinnern, ob ich mich verabschiedet habe. Ich hörte nur noch ein "Bye Amy." Während ich meinen "Walk of Shame" schreitete, drehte ich mich nicht einmal um, sondern schlug meine Hand mit gesenkter Mine auf meine Stirn. "Ach du scheiße." dachte ich mir nur noch.

 

Natürlich gibt es Momente, die das eigene Selbstbewusstsein niederschlagen. Es ist zumindest wichtig, dass man sich keine Vorwürfe macht, ob man vielleicht irgendetwas falsch gemacht hat. Wenn es nicht passt, dann passt es einfach nicht. Aber es bedeutet auch nicht, dass es niemals gepasst hätte. Der Moment war einfach nur falsch, aber der Versuch war es trotzdem wert. Denn ich habe eine Antwort bekommen. Zumindest teilweise.
Ungewissenheiten verleiten dazu, Dinge anders zu interpretieren, als sie in Wahrheit sind.
Ich gebe zu, dass ich den folgenden Tag darauf emotional etwas verwirrt und aufgewühlt war. Denn keiner kann sich darauf vorbereiten, einen Korb zu bekommen, wenn man zum ersten Mal in seinen Leben einen interessanten Menschen kennenlernen möchte. Und es dann schließlich nicht kann.
Nach langen Unterhaltungen mit unterschiedlichen Menschen bin ich in den Hinblick einsichtig geworden, dass ich trotzdem meinen Vorteil daraus gezogen habe: Denn wer nicht fragt, bleibt dumm. Und für das Grinsen war es auf alle Wert einfach einmal nachzufragen.
Und deswegen sag ich "Thank you, whoever you are."

 

P.S.: Gaffen ist dann noch immer erlaubt.

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Do

14

Apr

2011

Every Time I wake up, it is you, I see.

Ich wachte auf und drehte mich zur Seite. Du hielst mich im Arm während du am Schlafen und nach deinem Anblick, könnte ich sagen, dass du im Tiefschlaf gewesen bist.

Dein Mund war halboffen und etwas Speichel hing an der linken Seite deines Mundes. Das Kichern konnte ich mir leider nicht verkneifen, aber es hat dich anscheinend nicht geweckt.

Jeden Millimeter deines Gesichts analysierte ich. Jedes Härchen an deinem Bart betrachtete ich, wanderte von deinen Lippen über deine rechte Wange und dann zu deinen Augen. Deine Stirn war von leichten Pigmentflecken übersäht, aber erst nach näheren Betrachten fielen sie einem auf.

Deine Haaren sind zur Seite gefallen und bedeckten nur einige Teile deines Gesichts. Während ich dich so betrachtet habe, sind mir alle möglichen Gesichtsausdrücke deiner Person durch den Kopf gegangen.

Dein lautes und selbstbewusstes Lachen. Dein aufgespreizter Mund, wenn du vor Müdigkeit, dein Gähnen nicht zurückhalten kannst. Dein närrisches Grinsen, wenn du einmal irgendeinen Mist gebaut hast. Und dein zutrauliches warmes Lächeln, wenn du mich in den Arm nimmst und mich dann daraufhin auf die Stirn küsst.

Vor lauter Bildnissen legte ich meine Hand auf deine rechte Wange und streichelte sie sanft. Langsam öffnetest du deine Augen, noch im Halbschlaf und Trance. Ein Lächeln fuhr über dein Gesicht. "Guten Morgen," flüsterte ich dir zu. "Guten Morgen, mein Schatz," hast du mir geantwortet.

Nach all den Dingen, die zwischen uns und in der Umwelt passiert sind, sind genau solche Momente da, um einem zu sagen, dass man sich für das Gute entschieden hat. Und das bist du, der Eine.

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Do

07

Apr

2011

If every thing was different

Wenn die Dinge so laufen würden, wie wir uns es gewünscht hätten, dann wäre das Leben langweilig. Das ist zumindest das, was sich viele Leute denken und das, was man von vielen gesagt bekommt. Aber manchmal ist es doch im Leben nötig, die Dinge so zu bekommen, wie man sie wünscht. Denn am Ende ist man doch einer derjenigen Personen, die zerbrochen zurück bleiben.

 

Seine Freundin zog nach Kanada und ließ ihn zurück. Das ist etwa schon ein Jahr her und seitdem hat sich einiges zwischen ihm und mir verändert. Ich kann es natürlich verstehen, dass er wieder aufblüht, neue Gewohnheiten hat und ein anderes und neues Leben als Single beginnt.

Die Bank, die wir uns immer teilten, war nur noch ein Gelegenheitsort. In den letzten Monaten haben wir uns vielleicht zwei Mal dort getroffen.

Ich erinnere mich gerne an die Zeit zurück, die wir lachend und ungehemmt verbringen durften. Natürlich gab es wieder auch Tage, wo einer von uns nicht so einen tollen Tag hatte und wir einfach jemanden gebraucht haben, der uns tröstet. Sehr genau kann ich mich noch daran erinnern, wie er auf das Problem mit seiner damaligen Freundin angesprochen hat. Sie hat ihn verlassen und ist von Wien nach Vancouver gezogen. Zu ihrer Familie, mit ihrer Mutter. Und mit ihrem neuen Freund.

Er verstand es nie, wie sich jemand so schnell auf jemand neues einlassen konnte, obwohl man ja eigentlich schon jemanden an seiner Seite hatte. Später stellte sich dann heraus, dass sie schon lange keine Gefühle mehr für ihn übrig hatte. Aber leider hatte sie nie den Mumm gehabt es ihm zu sagen.

Nachdem sie weg war, folgten wochenlange exessive Tage mit Alkohol. Seine Wohnung fing an zu verfaulen. Er selbst verließ nur das Haus, wenn es nötig war. Ansonsten lag er nur im Bett und hörte sich stundenlang ihre Lieblingslieder an. Es gab kein Grund mehr für ihn seine Haustüre zu verlassen, denn er hat das verloren, was ihm am Wichtigsten war. Seine Liebe.

Ich rief ihn einige Male auf seinem Handy an. Wenn ich Glück hatte und er gerade mal bereit dazu war, mit irgendjemanden zu reden, durfte ich bei ihn vorbei schauen. Es war ein widerlicher Anblick in seiner Wohnung. Essensreste, Kartonschachteln, Fliegen, Schimmel und dreckige Wäsche beschmückten seine Wohnung. Der Geruch war unerträglich für einen normaldenkenden Hygienemensch. Immer als ich vorbeigekommen bin, säuberte ich seine Wohnung. "Hör auf alles sauber zu machen," sagte er. "Ich räum die Wohnung ja bald auf." Bis dahin vergingen jedoch noch 3 Monate.

Nachdem er endlich dazu bereit war, etwas aus sich zu machen (ohne sie), kam er endlich aus seinem Versteck heraus. Er wusch sich endlich wieder und seine Wohnung stellte er auch um. Seine engsten Kumpels und ich halfen ihm beim Wohnungsumbau. Seine Prüfungen schaffte er noch daraufhin und seinen Job durfte er auch behalten. "Ja ich kenn das, Kleiner. Wenn die Frau einen verlässt, dann ist nur noch das Bier dein bester Freund." Sein Chef war sehr sympathisch und gab ihn eine letzte Chance, die Monate seiner Abwesenhei wieder aufzuholen. Und dafür war er sehr dankbar.

Für ihn ging es nur noch bergauf und ich freute mich für ihn sehr. Wir haben uns für unsere platonischen Verhältniss sehr oft gesehen. Kino, Abendessen, Filmabend, alles war dabei. Es war schon so normal, dass es ihm nichts ausmachte, mich in den Arm zu nehmen und mir ein wenig Liebe zu schenken.

Aber ich denke, er war sich nicht dabei bewusst, was in mir eigentlich vorgangen ist: Sein Lachen, seine Augen und seine Persönlichkeit verschönerten mir immer jeden Tag. Seine beruhigende Stimme und seine Dämlichkeit in Person waren unentbehrbar. Es erhelle meinen Tag, und mein Herz. Immer wenn ich mit ihm unterwegs war, hatte ich das Bedürfnis ihm endlich zu sagen, was wirklich in mir vor ging. Doch immer wenn er sowas wie "Du bist die beste Freundin, die man sich wünschen kann" sagte, verschwanden meine Sätze im Mund und ich schwieg. Nur im Kopf wiederholten sich die Sätze tausendmale. Nacht für Nacht und Tage für Tage.

Ich war immer kurz davor es ihm zu sagen und einmal war ich wirklich bereit dafür, ihm meine Gefühle zu gestehen. Doch dann kam immer irgendetwas in seinem Tagesablauf durcheinander und mein Selbstbewusstsein verschwand daraufhin in der Nacht.

Jeden Tag freute ich mich für ihn, wenn etwas bei ihm im Leben geklappt hatte. Jeden Tag versuchte ich, mein eigenes normales Leben im Studium und im Job hinzubekommen. Und alles hat funktioniert. Denn jeder Gedanke an ihn, überschwemmte mich mit positiven Gedanken. Und er freute sich auch immer für mich, wenn ich einen guten Tag hatte.

"Es ist schön zu sehen, dass man jemanden hat, mit dem man auf einer Wellenlänge ist. Ich versteh' gar nicht warum du mit mir abhängst." sagte er. Meine Augenbraue hob sich und ich war verdutzt über diese Aussage. "Warum sagst du das?" fragte ich ihn. "Ich habe noch nie jemanden getroffen, der so perfekt ist." antwortete er. Wenn ich so perfekt für dich bin, warum siehst du dann nicht, dass alles wegen dir so perfekt ist? Natürlich freute ich mich über sein Kommentar, aber irgendwie verunsicherte es mich umso mehr, da ich nicht verstand, wie er mich wirklich in seinen Augen betrachtete.

Bis an dem Tag wo ich es ihm endlich sagen konnte. "Ich habe starke Gefühle für dich. Und ich weiß nicht wie, du das siehst." sagte ich an dem Abend. Wir saßen auf der Bank, die unsere Erfahrungen mit uns teilte. Er starrte mich wirr an und wusste nicht, was er auf meinen letzten Satz sagen sollte. Dann drehte er seinen Kopf nach vorne. Sein Blick war für mich nichtsagend. Mein Herz klopfte wie wild und meine Unsicherheit stieg mit jeder Sekunde, in welcher er nichts gesagt hat. Es war ein Moment, wo alles auf's Spiel gesetzt wurde. Unsere Freundschaft, unsere enge Beziehung, der Kontakt. Ich war hin und her gerissen und versuchte die ganze Zeit, meinen Pessimissmus zu unterdrücken, der mich schon monatelang verfolgte. Ich klammerte mich fest an meinen Rock und senkte dabei meinen Kopf. Die Tränen konnte ich nicht mehr halten.

Plötzlich gleitete seine Hand auf meine Hände. Sie fühlten sich warm und angenehm an. Ich drehte meinen Kopf zu ihm, meine Augen glänzend und mit Tränen gefüllt. "In meinen Augen bist du perfekt," sprach er. "Doch ich denke, dass du jemanden ganz besonderes verdient hast. Du gibt's so vieles und aus meiner Sicht, würde ich dir nicht annähernd so viel zurück geben können." Meine Gedanken spielten Karussell und ich wusste nicht ob ich mich über das Gefühl freuen sollte, oder mir vor Übelkeit schlecht wurde von der Dreherei. Dann empfand ich plötzlich Scham. Vor ihm und vor mich selbst. Vorwürfe kreisten meinen Kopf und mein Herz erstach sich in diesem Moment. Was habe ich getan? dachte ich mir. "Wenn ich dir so viel geben kann, warum lässt du Uns dann einfach nicht zu?" fragte ich ihn. Er schwieg und schaute mir nur in die Augen. Ich konnte noch so viel Hoffnung für ihn sehen, doch die Realität sprach eine andere Sprache. "Weil du meine gute Freundin bist."

Ich wollte nicht mehr hinhören, packte meine Tasche und stand auf. Die Hoffnung, dass er mich aufhalten würde, entäuschte mich. Er blieb sitzen ohne irgendwie auf mich zu reagieren. Ich ging weg ohne mich umzudrehen. Nach einigen Minuten explodierte ich und hielt mich an der nächsten Bank fest. Die Tränen flossen ununterbrochen und mein Atem war unkontrollierbar. Ich schimpfte und schlug gegen die Banklehne. Danach versuchte ich meinen Atem zu verlangsamen, klaren Kopf zu bekommen und schloß dabei meine Augen. Nach einigen Luftstößen beruhigte sich mein Atem. Es war ein kühler Frühlingsabend. Der Wind blies mir ins Gesicht und trocknete meine letzten Tränen im Gesicht.

Es ist einige Wochen her seit meiner Konfession. Er hat mich bisher jeden Tag angerufen, um mir einen schönen Tag zu wünschen. Das tat er jeden Tag, mit dem Unterschied, dass ich auch am Hörer war.

"Ich wünsche dem Fräulein einen schönen Tag. Und wie gesagt, ich würde gerne was von dir hören. Du fehlst mir." Ende der Nachricht.

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So

27

Mär

2011

The Lazy Song

Die Sonne strahlt auf mein Gesicht und ich genieße diesen Frühlingstag, der mal nicht regnerisch ist. Ich hätte mich eigentlich mit einer Freundin zum Kaffee treffen, oder mich wieder an meine Bücher setzen können, aber heute hatte ich einfach mal das Bedürfnis nichts zu tun und in der Sonne faul rumzuliegen. Der Blick auf die Donau ist mir heute anstrengend genug.

 

Es ist etwa 14 Uhr und seit etwa einer Stunde liege ich an der Donau und genieße die Musik mit meinen schwarzen On-Ear Kopfhörern. Bruno Mars weiß im Moment genau, was ich will. Einfach nichts tun und rumliegen. The Lazy Song. I love this song. Musik, ein kühles Mineralwasser und zwei Äpfel sind meine heutigen Begleiter.

Und plötzlich verschwindet das warme Gefühl auf meinem Gesicht. Jemand steht genau vor mir. Es ist ein junger Kerl, sportlich angezogen mit seinen schon abgenutzten Nike-Schuhen. Er trägt diese typische Pilotensonnenbrille, die wohl jeder an meiner Wirtschaftsuniverstität im Moment hat.

Ich drücke die linke Ohrklappe zur Seite und frage ihn: "Kann ich dir irgendwie behilflich sein?" Er grinste und antwortet: "Wenn du mir ein Schluck von deinem Wasser geben würdest, wäre ich dir sehr dankbar." Ich bin sehr überrascht, denn ich habe eher erwartet, dass er nach der Uhrzeit fragt. "Dann muss ich dir sagen, dass du heute nicht dankbar sein kannst." Ich grinste, drückte meine Kopfhörer an mein linkes Ohr zurück und lehnte mich wieder nach hinten. Ich bin hier doch kein Zapfhahn.

Eigentlich habe ich gedacht, dass er weiter geht, aber er steht immer noch im Licht. Ich richte mich wieder auf und lege nun ganz meine Kopfhörer zur Seite. "Du bist ziemlich hartnäckig" sage ich. "Und du bist ziemlich fies und unhöflich," antwortet er mir. So ein Idiot. Nur fünf Minuten weiter ist ein Verkaufsstand, denke ich mir. "Bevor du in der Sonne verdurstet, geb ich dir lieber mein Wasser," spreche ich daraufhin. "Oh, das Fräulein ist ja doch nett." Sein Sarkasmus bringt mich langsam zum rasen.

Ich reiche ihm also meine Wasserflasche. Und ratet mal wie viel in meiner Flasche übrig bleibt? Nichts. "Erstmal etwas verlangen und dann einfach gierig werden." sage ich, als er mir die Flasche zurück reicht. "Oh tut mir Leid, das war aber mit Absicht, denn eigentlich wollte ich dich fragen ob du mit mir was trinken gehen möchtest." Das war seine Anmache? Ich bin empört. Aber irgendwie, weiß ich nicht, was ich darauf antworten soll. Dann fügt er noch hinzu: "Mein Wagen steht 5 Minuten von hier und ich kenne eine sehr schöne Bar hier in der Nähe. Dann bekommst du sogar zwei Liter Wasser von mir zurück." Ich finde die Situation schon seltsam genug und irgendwie kann ich mich trotdem im Moment nicht entscheiden.

Er sieht ja eigentlich gar nicht so schlecht aus. Zumindest kann ich ihn, außer seinen Augen,  komplett analysieren und bis jetzt spricht eigentlich nichts dagegen mit ihm mitzugehen. Jedoch: "Tut mir Leid, aber meine Mama hat mir gesagt, dass man nicht mit fremden Leuten mitgehen darf."

Sein Gesicht sagt mir, dass er mit dieser Antwort nicht zufrieden ist und sagt nur dann daraufhin: "Na dann, bist du wohl die jenige, die heute verdursten wird. Auf wiedersehen." Dann joggt er wieder los und nach einigen Sekunden verschwindet er auch aus meinen Blickfeld.

Ich nehme wieder meine Kopfhörer zur Hand und lege mich wieder nach hinten. Nach ein oder zwei Songs vergesse ich wieder Situation bis auf dem Moment, wo ich nach meiner Wasserflasche greifen will. Sie war leer, Arschloch.

 

Am nächsten Tag in der Universität:

Ich stand am Spint und quetschte meine nicht  benötigten Sachen hinein. Und irgendwie hatte ich wohl heute viel zu viel dabei. Außer eins, mein Getränk. Als ich versuchte den Spint mit voller Wucht zuzusperren, flogen meine Bücher zur Seite und landeten auf dem Boden. Ich nahm tief Luft um mich nicht aufzuregen. Es war schon schlimm genug, dass ich zwei Stunden später in der Bibliothek erschien, denn heute war mal wieder ziemlich viel los und die Sitzplätze dementsprechen rar.

"Kann ich dir behilflich sein?" fragte mich ein junger Mann. Ich konnte ihn nicht sehen, denn ich war ja mit meinem Spint beschäftigt. Plötzlich legte mir dieser Unbekannte eine Flasche in das nebenliegene Spint. Es war eine Flasche Mineralwasser. Ich drehte mich nun also aus Neugier um und erschrack. Es war der unhöfliche, dumme Kerl von gestern. Und er hatte wieder diese Sonnenbrille auf. "Bevor ich dir noch unsympathischer erscheine, sollte ich mich erstmal entschuldigen." Er legte seine Brille ab. Ich war verblüfft und sprachlos über sein Gesicht, denn hinter dieser Sonnenbrille verbarg sich ein junger hübscher Mann. Das dumme Grinsen stellte sich als Sympathie-Lächeln heraus. Und plötzlich wusste ich nicht wirklich, was ich von ihm halten sollte. Er grinste wieder und sagte: "Tut mir Leid, dass ich dir alles weg getrunken habe, aber ich wollte unbedingt mit dir reden. Und was anderes ist mir in dem Moment nicht eingefallen." Vor Verlegenheit kratze er sich am Kopf und lachte diesmal etwas lächerlich.

Dann beugte er sich runter und hob meine Sachen auf. Er half mir, meinen Spint endlich zuzusperren und bis dahin, habe ich kein Wort sagen können. Es war mir irgendwie peinlich, obwohl ich ja eigentlich gar kein Grund hatte, nervös zu sein. Aber anscheinend hat sein Anblick mich etwas wirr gemacht. Was heißt etwas, sehr sogar. "Du bist aber heute nicht gerade gesprächig. Und gemein bist du auch noch nicht gewesen," wunderte er sich. "Ach ich bin nur gerade empört, dass ich solche Typen wie dich auf meiner Uni antreffe," konterte ich. "Ah da ist sie wieder," sagte er und grinste. "Du hast dich nicht einmal beim Namen vorgestellt," wies ich ihn darauf hin. "Ach sorry,.. also ich bin..."

Du bist der eine.

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Mi

09

Mär

2011

When I see you, the sun is shining.

Deine Augen sind unfassbar. Könnte man deine Blicke erreichen, würde ich mich freier fühlen, als an einem Strand mit einem Blick auf's Meer. Tief blickst du in die meinen. Du lässt mich sprachlos neben dir liegen. Ohne jegliche Worte erschüttert mich dein Anblick mit tausenden Ausdrücken. Ich möchte dich festhalten, jede Minute. Jedoch möchte ich auch deine Freiheit spüren, die du wohl in mir gefunden hast.
"Du bist mein Schatz", sagst du zu mir. Die Worte lassen mein Herz schneller schlagen. Ein Lächeln streift über mein Gesicht. Ich kann es nicht aufhalten, denn es überrumpelt meine Gedanken. "Und du hast mich gefunden," antworte ich ihm.
Wir liegen in seinem Bett. Der männliche Duft umhüllt meinen Körper und ich habe das Bedürfnis diese Wärme einzufangen. Du streichelst mich an der Wange und streifst mit deiner Hand durch meine Haare. Ich schließe die Augen und genieße deine anziehende Nähe. Dann lehne ich mich näher zu dir, lege meine Hand auf deine Wange und fange deinen Blick in diesen Moment ein. Dein Lächeln verschönert meinen Tag. Jede Sekunde.

Und es fing wie ein normaler Alltag an:
Unbekannt. Kaffee. Kennenlernen. Nach Hause. Wiedersehen. Bibliothek. Mittag essen. Nochmals sehen. Wiedersehen. Ausgehen. Kino. Dinner. Lachen. Stille. Kuss.

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Sa

26

Feb

2011

Can't change the fact that you're loving someone else

Wer hätte gedacht, dass ich jemals in eine solche Situation kommen würde.

Jeder Mensch hat die Möglichkeit etwas in seinem Leben zu ändern, solange er auch dafür etwas leistet. Das ist zumindest das, was wir im Laufe unseres Lebens lernen. Aber es gibt, Situation, in denen wir keine Kontrolle haben können. Wir würden es natürlich in die Hand nehmen, die Kontrolle, aber sie ist uns nicht gestattet. Und das sind Situationen, die uns am meisten fertig machen.

Seit einer Stunde schweigen wir uns gegenseitig an. Wir sitzen am Fluss auf einer Bank. Eine Bank, die wir immer besetzen, wenn der Tag schön ist und die Sonne lacht. Aber auch an düsteren oder vielleicht auch tristen Tagen, verschlägt es uns auf diese Bank. Immer wenn wir nichts anderes zu tun haben, haben wir uns auf dieser Bank getroffen. Um zu reden, zu lachen und um die Welt um uns zu genießen.

Doch heute war es anders. Du bist anders gewesen. Und traurig. "Sie fehlt mir und ich verstehe nicht, wie wir in eine solche Situation kommen konnten", sagte er. Und "sie", das war seine Freundin. Er war seit fast zwei Jahren mit ihr zusammen. Und seit etwa einem Jahr kannte ich ihn. Und seit einem Jahr unterdrückte ich meine Gefühle für ihn.

Sie hatten Streit, denn sie hatte andere Pläne. Sie wollte ins Ausland, nach Canada und er, er wollte in Europa bleiben. Hier, in Wien. Zumindest solange bis er mit seinem Studium fertig ist. Der Großteil ihrer Familie wohnt in Canada. Ihre Mutter ist vor einem Jahr nach Vancouver gezogen. Und sie sollte ihr dann auch folgen. Aber sie zögerte, denn sie hatte ihn. Einen wunderbaren Menschen, den nicht einmal ich für eine solche Situation eintauschen würde. Unglücklicherweise ist es wohl sehr wahrscheinlich, dass sie ihrer Mutter und ihrer Familie folgen wird. Und das auch ohne ihn.

„Sie sagte, dass es ihr wichtig wäre, dass ich sie in ihrer Entscheidung unterstützen muss. Aber ich kann nicht.“ Seine Stimme wurde am Ende des Satzes immer leiser. Ein leises Schluchzen ertönte von ihm. „Ich weiß nicht, was ich noch machen kann, um sie zu überzeugen zu bleiben.“ Und ich wusste nicht, was ich sagen konnte, um ihn zu trösten.

Ehrlich gesagt, mochte ich sie nie wirklich, seine Freundin. Natürlich habe ich sie zusammen sehr oft gesehen und habe mich an den Herzschmerz nach langer Zeit gewöhnt. In ihrer Gruppe bin ich immer willkommen gewesen. Besonders sein bester Freund war einer meiner Lieblinge in der Gruppe, und natürlich die Freundin seines besten Freundes.

Mir fällt gerade auf, dass wir meistens nur zu viert unterwegs gewesen sind. Er, sein bester Freund, die Partnerin seines besten Freundes und ich. Seine Freundin haben wir nur an bestimmten Tagen oder Geburtstagsfeiern angetroffen. Er meinte immer, dass sie sich unter uns nicht so wohl fühlen würde. Wie dumm von ihr. Ich habe niemals verstanden, was er an ihr hatte. Doch jetzt konnte ich es miterleben.

Mich machte es wütend, aber auch traurig ihn in dieser Situation nicht 100% unterstützen zu können. Genau jetzt würde ich mir selbst das Messer in den Rücken stechen, denn ich wusste ein bisschen mehr als er von ihren Plänen. Es gab nämlich jemanden, der ihre Entscheidung nach Vancouver wegzuziehen, einfacher gemacht hat. Vor etwa einem halben Jahr, nachdem beide wieder einmal einen heftigen Streit hinter sich hatten, lernte sie während ihrer kleinen Beziehungspause einen jungen Mann auf dem Universitätsgebäude kennen. Es war ein Austauschstudent aus Vancouver, Canada. Ich wusste davon, denn sie hatte es mir damals persönlich erzählt. Damals stand ich zwischen den beiden und sie weinten sich immer bei mir aus. Natürlich mit der Voraussetzungen, dass ich ja nicht etwas dem anderen Partner berichte. Was ich natürlich auch nicht getan habe.

Natürlich empfand ich Hass, als sie mir von dem Kanadier erzählt hatte, aber sie betonte ihre Freundschaft immer als etwas „platonisches“, denn sie „war ja in einer Beziehung“. Gott Mädchen, denkst du wirklich, man könnte Gefühle für jemanden aufhalten, und so tun als wäre man nur ein guter Freund? Wenn ich meine Situation jetzt betrachte, kann ich irgendwie doch stolz auf mich sein. Denn ich habe nie gedacht, dass ich dieses eine Jahr durchstehen würde.

„Ich will nicht, dass sie geht.“ Sagte er. Dann beugte er sich nach vorne und verdeckte sein Gesicht. Er weinte zwar nicht, aber ich wusste und merkte es auch, dass er Tränen im Gesicht hatte. „Das Einzige, was du machen kannst, ist nochmals zu zeigen, wie sehr du sie liebst. Und wenn du ihr wirklich so wichtig bist, dann kann sie das nicht einfach ignorieren.“ Während ich ihm diesen Rat gab, fühlte es sich wie ein Schuss ins Herz an. Aus meiner eigenen Waffe. „Kämpfe, bis es zu einem Ende kommt.“ Fügte ich noch hinzu. Er antwortete mir nicht darauf.

Nach einer Weile beruhigte er sich wieder. Er lehnte sich langsam wieder nach hinten und schloss seine Augen. Sein Atem wurde ruhiger. Er kam zur Ruhe, und ich spürte es.

Der Wind wehte stärker und man konnte schon die Abenddämmerung riechen. Der Himmel färbte sich blutrot. Die Sonne zeigte sich heute zum letzten Mal. Und mein innerer Kampf, war kurz vor seinem Ende. Ich wollte nur noch aufgeben.

Er wendete sich zu mir und sagte:„Ich bin froh, jemanden wie dich zu haben. Ich weiß gar nicht, was ich ohne dich gemacht hätte und ob meine Beziehung ohne dich so lange gehalten hätte.“ Der Schmerz wurde größer und es fiel mir schwer es zurück zu halten. Sogar mein aufgesetztes Lächeln erstach mich innerlich. Er stand auf und sagte, bevor er ging: „Solange ich etwas an der Situation ändern kann, darf ich nicht aufgeben. Danke für deinen Rat.“ Und er entfernte sich von der Bank. Und von mir.

Ich wartete, bis ich seinen Wagen nicht mehr hören konnte. Die Sonne verschwand hinter der Welt und die Nacht brach herein. Ich schloss meine Augen und versuchte mich zu konzentrieren, doch dann brach alles herein. Und ich verlor die Kontrolle über meine Gefühle. Und ich verlor meinen Kampf.

 

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Mi

23

Feb

2011

Stage 5 goes 6

Wir sagen immer "ich schaue dir tief in deine Augen", denn das was dahinter steckt, ist die Seele eines Menschens. Aber irgendwie hört sich das, meiner Meinung nach, Scheiße an.

Man hört es immer von Anderen oder aus den schnulzigen Liebesfilmen. Und in Wirklichkeit ist es noch unglaublicher und wahnsinniger als wir sehen und hören glauben.

 

Mein Kopf tut immer noch weh. Der Sturz vom gestrigen Abend war heftiger als erwartet.

 

Nachdem er mich hochgehoben oder eher "aufgehoben" hat, musste ich mich erstmal sammeln. Abgesehen von meinem Kopf, schmerzte auch mein Rücken. Natürlich gab es einen Grund, warum ich diesen eisigen Weg immer mit Vorsicht durchquerte. Blödmann.

Meine Tasche lag ein paar Meter von mir entfernt auf dem Boden. "Anstatt meine Tasche zu packen, konntest du mich ruhig nur anstupsen", meinte ich zu ihm. "Tut mir Leid, aber bei deinem Tempo konnt ich nicht mehr so zärtlich sein. Abgesehen davon hast du mir die Tür gegen mein Gesicht geknallt, schon vergessen?" Mir fiel es wieder ein und es war mir so peinlich. "Doppelquit hm?" Wir beide grinsten.

Er hob meine zehntausendkilo schwere Tasche vom Boden auf und nachdem er das schwere Gewicht verspürte, beabsichtigte er nicht einmal, sie mir zu geben. "Du musst nicht.." "Schon oke, Schwerverletzte."

 

Er war 24 Jahre jung, halbasiate (genauso wie ich gedacht habe), 182cm groß und schaute jünger aus als er eigentlich war. Seine Haut war durch seine bastardischen Herkünfte heller als ein typischer Asiate. Er studierte auch Wirtschaftswissenschaften, war aber dennoch weiter als ich im Studium, da er im letzten Abschnitt war. Er wohnte alleine in Wien, ursprünglich ist er aus Deutschland gewesen. "Genauso wie ich" sagte ich zu ihm. Was für ein Zufall. :)

"Und wohin soll es gehen?" fragte er mich. Natürlich wollte ich ihn näher kennenlernen und mich mit ihm in eine Bar setzen, um mehr vom Monster zu erfahren, aber nach einem 13-stündigen Aufenthalt in der Bibliothek waren meine Nerven doch irgendwo schon am Ende. Und die Müdigkeit hat schon nach unserem kleinen Spaziergang eingesetzt. Er verstand es und bat mich nur um eine Sache "Dafür darf ich dich nach Hause bringen." Und ich widersprach dem nicht.

Wir gingen Richtung Garage, irgendwo im untersten Keller unter der Universität. Bevor ich sein Auto gesehen habe, habe ich mir eigentlich keine Gedanken um seine "finanzielle" Lage gemacht, doch nachdem ich einen schwarzen BMWer Cap Coupé Baujahr 2010 erblickte, musste ich mich erstmal zügeln. "Ich hoffe es ist Ihnen in meinem Auto bequem genug" fügte er mit einem höflichen Ton hinzu nachdem er mein erstauntes Gesicht gesehen hat. "Ich bin eher auf den Fahrer gespannt, der Herr."antwortete ich auf hochnäsige Art.

 

Wir setzten uns in das Auto und es kam zu einem kurzen Gesprächsstopp. Er blickte mich kurz an und sagte dann plötzlich: "Ich weiß, ich verlange gerade etwas zu viel, aber ich brauche wohl nun deine Adresse." Ein nicht-unterdrückbares Lächeln tauchte auf und ich antwortete ihm mit "Ihr Typen habt es ja echt eilig."

Er tippte meine Adresse ein und schon fing die Unterhaltung mit seiner "Sophie" im Auto an. "Einen schönen guten Abend. Die Route wird berechnet." Nach einigen Sekunden kalkulierte das Navigationssystem die Dauer der Fahrt und die Entfernung bis zu mir nach Hause. Er "mh"te. "Was ist denn?" fragte ich daraufhin. "Jetzt hab ich wohl nur 15 Minuten Zeit, um zu wissen, wer mir mein heutiges Bewerbungsgespräch versaut hat."

Ich möchte euch nochmals daran erinnern, dass ich meinen Kaffe über seinen Anzug verschüttet habe. Dann war er kurz davor, mir den Kopf abzureißen.

  "Wie gesagt, es tut mir Leid. Aber ich kann nichts dafür, wenn du im Weg gestanden bist!" Er lachte auf und war wegen dieser Antwort sehr überrascht "Frech ist sie auch noch!"

 

Wenn ich jetzt wirklich alles hier rein tippen würde, über was wir geredet haben, dann könnte ich dieses 15-Minuten-Gespräch in einem dicken Roman einbinden lassen. Daraus können wir wohl schließen, dass unser Gespräch im Auto nicht langweilig war. Im Gegenteil, es war angenehm und irgendwie auch vertraulich. Er kam mir nicht wirklich wie ein Fremder vor, aber auch nicht wie ein Bekannter. Du lernst jemanden Fremdes erst kennen, aber du weißt genau, dass ihr euch schon von der ersten Sekunde eurer Unterhaltung verstehen werdet. Wir nennen das wohl auch "auf einer Welle" sein. Wie schon gesagt, ich werde die Unterhaltung während meiner laufenden Story natürlich in den Informationspool einfügen, wenn dies mal nötig ist.

 

Eins kann ich sagen: Ich mochte und mag sein Gesicht. Und das wohl schon seit meinem Sturz vor nicht allzu langer Zeit. Sein Blick hatte etwas ruhiges. Manchmal fragte ich mich während der Fahrt, an was er gerade gedacht oder wie er die jetzige Situation eingeschätzt hatte. Was waren seine Pläne, was hat er sich dabei gedacht, mich nach Hause zu fahren? Ein Gentleman vielleicht? Oder vielleicht gehört er zu jenen, die ihre Ausstrahlung an Frauen ausnutzen, nur um ein wenig Spaß mit ihnen zu haben. Bei diesem Gedanken, stoppte ich meinen Gedankengang. Es ist eine dumme Angewohnheit über Dinge länger nachzudenken, wenn man nicht einmal etwas über die fremde Person weiß bzw. sie nicht sogut kennt wie der eigene Bruder. Nicht dass ich ihn jetzt als Bruder haben würde.

Manchmal blickte er zu mir, ohne Worte, und dann blickte er zurück auf die Straße. "Ist irgendwas?" fragte ich ihn, als ich ihn zum 3. Mal beim Schauen erwischt habe. "Nichts." entgegnete er mir. "Anscheinend haben wir nichts mehr zu sagen." Es herrschte Stille im Auto. Nur sein Radio lief mit schnulzigen Songs im Hintergrund.

Nachdem ich gemerkt habe, dass wir bald meiner Wohnung näher kamen, schaute ich auf die Navigationsanzeige. "Eine Minute bis zu ihrem Ziel" informierte uns Sophie.

In dieser letzten Minute schweigten wir uns beide an. Irgendwie genoss ich diesen Moment, denn irgendwie fühlte ich mich wohl. Ich atmete nochmals tief ein und hatte seinen männlichen mit Parfüm leicht vermischten Geruch in meiner Nase. Er erwischte mich bei meiner Extase und grinste mal wieder. Ich dachte mir nur "Oh mein Gott, du bist so peinlich."

"Sie haben Ihr Ziel erreicht." Ein kleiner Hase sprang auf dem Monitor herum. Dann drehte es sich im Kreise und ein dickes "ZIEL ERREICHT" erscheinte über seinem Kopf. "Ich weiß, ich sollte das ändern, aber meine kleine Nichte findet es süß."

Er fuhr kurz vor meiner Haustüre an die Seite und sagte "Sie sind an ihr Ziel angekommen." "Danke für's nach Hause bringen." "Kein Problem, danke für die Schmerzen." Und wir lachten. Dann blickten wir uns an. Es war ein elektrisierender Blick. Und in diesem Moment wollte ich nicht aus dem Auto steigen. Unsere Gesichter kamen sich näher.

Und dann sagte er plötzlich "Normalerweise frage ich niemals nach der Adresse einer Frau, die ich nicht mal wirklich kenne. Und küssen tu ich sie schon gar nicht nachdem ich sie auf dem Boden geworfen habe." "Da hast du wohl recht" sagte ich und wendete mein Gesicht von ihm ab. "Gute Nacht, der Herr," fügte ich noch hinzu und stieg aus dem Auto.

Nachdem ich die Wagentür schloss, ging ich direkt zur Haustür. Ich wollte nochmal sein Gesicht anschauen, doch der vorherige Moment hat mich immer noch an meinen Nerven gepackt. Mein Herz raste.

 Ich drehte am Haupteingangstürschlüssel, drückte die Tür mit meinem Rücken auf, um doch noch nach ihm zu schauen. Sein Wagen fuhr langsam an der Haustüre vorbei und unsere Blicke trafen uns für den Abend zum letzten Mal. Ein "Bis Morgen" kam von meinem Lippen und er antwortete wohl erkennlich mit einem "Bis Morgen."

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Fr

11

Feb

2011

Das Richtige tun ist immer schwer.

Ich gehe meine Schritte. Jeden einzelnen Schritt den ich schreite, entfernt mich mehr und mehr von dir. Es ist etwas, was ich selbst entschieden habe, mit schweren Herzens.

 

Ich blicke kurz zurück, in der Hoffnung, dass vielleicht doch etwas passiert, dass mich stoppt. Ich blicke nach vorne, zu Glauben, dass du mir doch den Weg kreuzt. Aber nichts passiert.

"Du willst es wirklich beenden?" fragst du mich. Ich kann nicht anders, ich will dich schützen. Vor meiner Unschlüssigkeit und vor meiner Angst. Vor meinen Zweifeln und vor meiner Unberechenbarkeit. Es ist schon dumm genug zu sagen, dass man gerade nicht weiß, wo man steht.

Manchmal legt man einfach seine Stärken ab. Einfach weil es einen erschöpft, erschöpft stark zu sein.

Nicht einmal berührt haben wir uns. Wir wechselten nur kurze Blicke. Manchmal auch nichtssagend, verunsichert und leer. Manchmal taucht ein kleines Lächeln auf, aber das muss nicht unbedingt etwas positives sein.

Ein Lächeln, wo man über sich selbst lacht. Man hätte gewisse Dinge vielleicht früher bemerken können. Oder Dinge hätte verstehen können. Ein Lächeln der Einsicht.

 

Ich hatte so vieles zu sagen, doch ich hielt inne. Manchmal ist es besser zu schweigen, nur um gewissen Personen zu schützen, die einem wichtig sind. Und weil man Angst hat, sich damit selbst irgendwie zu verletzen, durch die Konsequenzen.

 

Wir suchen die Fehler an einem Menschen, nur um einen selbst zu sagen, dass sie vielleicht nicht gut für einen ist. Und wenn es zu einer ganz bestimmten, besonderen Eigenschaft dieser Person kommt, verschwindet der ganze Zweifel oder sogar Hass. Denn wir wissen genau, dass diese Personen einen für einen kurzen Moment glücklich machen kann. Und die kleinen schönen Momente zählen im Leben eines Menschen.

 

Das Drama bei mir hat kein Ende. Eigentlich wollte ich nicht zu persönlich werden, aber ich möchte das hier gerade festhalten. VIelleicht um später zu wissen, was wirklich mit mir los war.

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So

30

Jan

2011

Maybe

Meine Hände zittern. Es ist eisig kalt draußen und der Wind friert mein Gesicht ein. Er blickt zu mir und grinst mich an. „Was grinst du so? Mir ist kalt“, sag ich zu ihm mit einem genervten Blick. Wir wandern schon seit einer Weile irgendwo im nirgendwo. Es ist spät am Nachmittag und die Sonne hat sich auch schon auf dem Weg ins Dunkel gemacht. Ich frage mich, wohin er mich bringen will, denn wir gehen auch schon seit einer Weile. „Sind wir endlich da? Ich halte es nicht mehr aus.“ „Sei nicht so ungeduldig. Oder brauchst du einen warmen Kaffee?“ Antwortet er mir.

 

Ich habe ihn vor einigen Wochen kennen gelernt. Wie immer saß ich in der Bibliothek, zusammen mit meinen „ach so geliebten“ Büchern. Nach einem gewissen Intervall, hol ich mir dann immer einen Kaffee von dem billigen Kaffeeautomaten. Sonst würde ich es niemals 13 Stunden auf dem Uni-Gelände aushalten. Ich holte mir also wieder einmal einen Kaffee, nahm ihn, nachdem er fertig gebrüht war und ging dann ohne überhaupt in die Richtung zur Bibliothek zu schauen vom Kaffeeautomaten weg. Und dann ist es schon passiert. Ich rempelte ihn an. Der Kaffee fiel unkontrolliert auf sein schönes weißes Hemd, bzw. es war dann einmal ein schönes weißes Hemd. Ohne ihn dabei anzuschauen, entschuldigte ich mich sofort mit geneigtem Kopf bei ihm. Seine Antwort darauf war dennoch nicht sehr, wie soll ich sagen, kontrolliert? Eigentlich brüllte er mich an: „Bist du irgendwie behindert oder so?“ Ich blickte hinauf und sah dann, dass er einen Anzug trug. Er war sehr aufgewühlt, und wenn Blicke töten konnten, dann ist es in diesem Moment auch passiert. Die Wut in seinem Gesicht hat sein sehr attraktives Auftreten zu einen Monster umgewandelt. Seine Freunde standen nehmen ihn, entsetzt darüber, wie heftig er mich anbrüllte. Sie schwiegen und schauten mich nur noch verdutzt an. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, denn die Situation schüchterte mich extrem ein. Also ging ich ohne noch einmal nach hinten zu blicken Richtung Bibliothek. Das Einzige, was ich noch hörte, waren seine Beschimpfungen. „Chill doch, Alter.“ Hörte ich seine Freunde sagen. „Sie war voll süß und jetzt hat sie Angst vor dir.“ Dann lachten sie. Den letzten Satz überhörte ich, denn mir war es so peinlich, dass ich einfach verschwinden wollte.

Bei meiner nächsten Pause saß er mit seinen Freunden in der Nähe vom Kaffeeautomaten. Er sah immer noch sehr genervt und wütend aus. Von weitem konnte ich schon seine Wut spüren. Ich ging sofort zum Kaffeeautomaten, schmiss meine 50 Cent rein und wartete. Dann blickte ich zur Seite und sah, dass er langsam auf mich zu ging. Oh mein Gott, jetzt bin ich tot, dachte ich mir. Und der dumme Automat brühte Millionen Jahre vor sich hin. „Beeilung!“ dachte ich mir. Kurz bevor er vor mir stand, war mein Kaffee mit einem „Peep“ endlich fertig. Sofort ergriff ich ihn, drehte mich kurz mit einem „Sorry nochmals“ zu ihm um und eilte auf und davon zur Bibliothek. Diesmal fiel mir sein hübsches Gesicht auf. Er hatte große braune Augen und ein sehr gepflegtes Aussehen. Ich vermutete, dass er Asiate ist. „Verdammt!“ dachte ich mir. Nur ich konnte ja solche hübschen Typen verscheuchen. Mit einer leicht depressiven Stimmung setzte ich mich dann wieder an meine Bücher.

Kurz vor 22 Uhr kam die Durchsage, dass die Bibliothek in wenigen Minuten schließen würde. Ich packte also meine Sachen, ging zum Spint und zog meine Jacke an. Wie jeden Abend eben. Genau in dem Moment, wo meine Arme in die Ärmel fielen, kam das Monster ums Eck. Ich schaute nur noch verdutzt und stand für einige Sekunden still. Er starrte auch zu mir. Mein Herz schoss plötzlich auf 200 hinauf und von dem einen Moment zu anderen, zog ich mich so schnell wie möglich an, riss den Reißverschluss meiner Jacke zu und wollte einfach nur abhauen. Ich packte mit voller Wucht meine Tasche und rannte schon los. „Hey warte!“ rief er mir zu. Ich eilte zur Ausgangstür und riss sie auf. „OUCH!“ Ich glaube er hat die Tür ins Gesicht geknallt bekommen. „Scheiße scheiße scheiße,“ dachte ich mir nur und konnte es nicht glauben, dass er wegen mir die Tür noch ins Gesicht bekommen hat.

Die Strecke von der Bibliothek bis zur U-Bahn war leicht vereist und wenig bestreut. Normalerweise würde ich diesen Weg mit Vorsicht durchgehen. Doch in dieser Situation konnte ich nur noch große Schritte hinter mir legen. Ich drehte mich um und sah, dass er mir hinterherging. „Warte doch mal“, rief er mir zu. Schneller, dachte ich mir. Doch meine kurzen Beine im Vergleich zu seinen, haben 50% kleinere Schritte zurück gelegt.

Plötzlich packte er meine Tasche. Und dies ging wieder rum schief. Durch den eisigen Boden, rutschte ich nach hinten aus und knallte mit dem Hinterkopf auf dem Boden. „Fuck!“ sagte er. „Ist alles okay mit dir?“ Da lag ich nun, schwer verletzt wenn ich nun übertreiben darf. Ich öffnete langsam meine Augen. Er beugte sich leicht über mir. Mein Herz schlug schneller als je zuvor. „Jetzt sind wir quitt.“ Er grinste. Und sein Grinsen war süß.

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Mi

05

Jan

2011

Messed Up Suitcase

(Den Text hab ich geschrieben, bevor ich das vorletzte Mal nach Deutschland geflogen bin... Ich denke mal, dass ich ganz vergessen hab, den Text hochzuladen :) )

 

Meine Hände zittern. Und langsam kommen mir die Zweifel und Ängste hoch. Was mache ich hier eigentlich? Und mit was für Erwartungen bin ich vor 2 Stunden in den Flieger eingestiegen?

Mein Koffer wandert nun zum fünften Mal an mir vorbei und die Leute, die sehnsüchtig auf ihre Koffer gewartet haben,  sind auch schon durch die Absperrung gegangen. Nur mein Koffer und ich haben uns noch nicht gefunden. Und nun war die Frage, ob ich wirklich meinen Koffer in die Hand nehmen und mich der wahnsinnigen Realität stellen soll.

Er wartet dort draußen und das schon seit über einer halben Stunde. Ich denke es sind sogar schon 60 Minuten vergangen. Oder er ist gar nicht gekommen und hatte auch schon Bammel bekommen, wie ich gerade.

Wer hätte gedacht, dass ich meine alte Liebe vor neun Jahren wieder antreffen, bzw. mit ihm die nächsten kommenden 18 Tage verbringen werde ohne wirklich vorher miteinander geredet zu haben! Damals war er noch 15 Jahre, und ich gerade mal 12. Und wie haben wir uns kennengelernt? Durch das innovative Internet. Und uns getroffen? Vor etwa 4 Jahren, aber ob man diese 10 Sekunden als Unterhaltung bezeichnen kann, bezweifle ich sehr.

Damals in unseren jungen Jahren hatten wir wirklich keine Ahnung von dem Drama und den unglaublichen Dingen, die uns in Zukunft antreffen werden. Wir lernten aus unseren Fehlern und Erfahrungen und entwickelten uns zu den Menschen, die wir gerade sind. Und nun treffen wir uns, einfach so? Ohne jegliche Ahnung, von dem was passieren könnte und obwohl wir, glaube ich, nach neun Jahren irgendwie schlauer handeln sollten. Wie schlauer genau, kann ich ja nicht sagen. Ich bin doch in dieser Situation. Es ist nicht nur für mich wahnsinnig verrückt. Nachdem ich einigen Freunden von unserer Geschichte erzählt habe, strahlte es plötzlich aus ihren Augen heraus und kam so gut wie immer diese folgende Aussage: „Das ist eine Liebesgeschichte.“ Zuletzt sagte ein guter Freund zu mir: „Wegen dir glauben wir Menschen wieder an die wahre Liebe.“ Wie dumm.

Mein Herz schlägt, als würde es fast explodieren. Wovor hatte ich denn Angst? Vor einer Enttäuschung? Vielleicht sieht er ja gar nicht aus, wie auf der Webcam, aber das wäre jetzt eine sehr lächerliche Ausrede. Ich kann jetzt nicht sagen, dass er überdurchschnittlich attraktiv, den heißesten Body und Mr. George Clooney im Asiaten-Verschnitt sein könnte, aber eines kann ich auf alle Fälle sagen: er ist  besonders.

Stell dir vor, du hättest eine Liste von Dingen, die du für deinen perfekten Partner wünschen würdest. Natürlich müssen die angegeben Eigenschaften nicht vollkommend erfüllt werden. Nun stell dir vor, da taucht jemand auf, und nach und nach hackst du jede Eigenschaften ab, die sich auf der Liste befunden haben und stellst dann schließlich fest, dass diese Person etwas sehr besonderes für dich ist. Ohne es auszusprechen, kann es wohlmöglich sein, dass dieser arme Kerl da draußen, der schon seit knapp einer Stunde auf ein Mädchen wartet, „der eine“ für sie sein kann.

Aber warum nun die Angst? Es könnte ja sein, dass es für ihn nur ein Spiel oder eine „Erfahrung“ sein wird. Es ist wohl sehr klar, dass wir Mädchen meistens weiter denken, als die Kerle, die das Glück haben uns kennenzulernen. Ich denke mal einfach, dass ich Angst habe, verletzt zu werden, mich an den Gedanken zu fest klammere, dass er der eine sein könnte. Gefühle einfach abschalten, das geht überhaupt nicht und das wissen wir wohl zu genau.

Wenn ich jetzt diesen Koffer in die Hand nehme, der nun zum siebten Mal an mir vorbeigammelt, erwarte ich auf alle Fälle eines: Liebe.

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Do

09

Dez

2010

Ein Tag wie jeder Andere.

Ein Tag wie jeder andere.

Der Wecker klingelte. Verschlafen wie immer nach nur 4 Stunden schlaf.
Es war eine lange Nacht gewesen. Viel Alkohol floss.
Langsam setzte ich mich auf und schaute mich um. Klamotten lagen auf den Boden.
Und neben mir ein fremder junger Mann. Er war noch am Schlafen.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie es dazu kam.
Durch Freunde haben wir uns kennengelernt. Das war aber schon eine Weile her gewesen.
Nach einigen Monaten haben wir uns wieder getroffen - zufällig.
Wie gesagt, es floss viel Alkohol und die Hemmungsschwelle sank durch jeden Shot, den alle in sich rein geworfen haben.
Mein Kopf fühlte sich an, als würde er gleich zerplatzen. Ich nahm den nächstgelegen Stofffetzen und bedeckte meinen nackten Körper damit. Langsam, mit der Absicht, den Mann neben mir nicht aufzuwecken, stand ich auf in Richtung Bad.
Auf Zehenspitzen taumelte ich zwischen den ganzen Klamotten und den umgekippten Weingläsern und Weinflaschen, die verstreut auf dem Boden lagen.
Bevor ich ins Bad ging, drehte ich mich nocheinmal um, um zu sehen ob er noch am schlafen war. Wie ein Baby rührte er sich nicht, sein Mund war halboffen und gesabbert hat er auch noch ein wenig.

Klick, machte das Schloss als ich es zugedreht habe.
Das kühle Wasser erfrischte mich sehr und ich fühlte mich natürlich auch sauberer als zuvor. Trocken getuppt öffnete ich die Badetür und blickte auf mein Bett. Er war wach und schaute zu mir.
Ich konnte seinen Blick nicht wirklich einschätzen, aber er selbst war ein wenig verwirrt. Wir starrten uns beide an. Um den peinlichen Moment zu lösen, ging ich auf ihn zu, setzte mich neben ihn und setzte mein aufgesetztes Lächeln auf.
"Gut geschlafen?" fragte ich. "Das frage ich mich auch", sagte er. "Ist was passiert?" fragte er daraufhin.
Was für eine Frage, kleines Dümmerchen. Ich antwortete nicht darauf und sagte nur: "Ich mach dir einen Kaffee, Frühstück ist dann auch gleich fertig. Du kannst dich solange frisch machen."
Ich stand auf, ging zu meiner Kommode und suchte mir schnell irgendwelche Klamotten heraus, die für zu Hause bequem genug waren. Er lag noch eine Weile auf meinem Bett und musste sich anscheinend erstmal sammeln.

Am Esstisch lag alles schon bereit. Kaffee, Kuchen, Wurst und Brötchen.
Er kam zu Tisch, ich war aber schon am Mampfen. Nachdem er sich gesetzt hat, blickte er immer noch ein wenig verwirrend auf seinen Teller. Und plötzlich änderte sich sein Gesichtsausdruck. Nun sah er sehr geschockt aus.
"Oh Mann, ich wollte nicht dass wir uns so wieder sehen." sagte er. Ich schaute ihn an, wortlos und am Kauen.

Ja damals, als wir uns das erste Mal sahen, fand ich ihn sehr sympathisch und aufgeweckt. Ein lustiger Mensch. Und es hat mich noch mehr gefreut ihn dann zufälligerweise wieder anzutreffen.
Wir haben gestern viel gelacht, viel diskutiert und viele Interessen ausgetauscht. Doch ab dem Moment, wo mehr und mehr Alkohol floss, kam es einem eher vor, wie ein Dating Abend.
Irgendwann nahm er mich in den Arm, gab mir Bussis auf die Wange oder hielt einfach meine Hand. Und irgendwann küsste er mich einfach.
Und irgendwann landeteten wir bei mir.

Scham überkam ihn und er fasste nichts vom Kaffee, Kuchen,  Wurst und Brötchen an. Ich schwieg auch immer noch.
"Weißt du? Ab dem Moment, wo der Junge es nicht versteht, dass ich gerne unterwegs mit ihm bin und er sich trotzdem Hoffnung macht, bleibt dieser Tag wohl nur ein Tag wie mit jedem anderen Mann."

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Mo

06

Dez

2010

Things I do not wish to happen

Du schaust glücklich aus. Dein Anzug steht dir gut. Zeiten haben sich geändert und Zeiten verändern einen selbst. Stolz und aufrecht schreitest du von der weißen Limousine weg. An deiner Hand. Sie.

 

Vor ein paar Monaten erhielt ich per Post eine Nachricht. Der Brief roch nach süßen Kirschen, einer meiner Lieblingsdüfte. Der Umschlag war goldig gemustert auf rosa Papier. Als der Brief in meinen Händen lag, wusste ich, was ich in diesen Brief finden werde. Ich wusste, dass ich ab dem Moment, wo ich diesen Brief lesen werde, die Realität mich einholen würde. Egal wie sehr ich daran geglaubt habe, wird mein Glaube an unsere gemeinsame Zukunft zerfetzt werden.

"Zu unserer Hochzeit möchten wir dich herzlich einladen."

Und die Realität hat mich eingeholt.

 

Es wurden hunderte Leute eingeladen, es war ein ganzes Chaos auf der Hochzeit. In einer Stunde, sollte es dann schließlich mit der Messe losgehen. Ich trage ein Champagner farbiges Kleid, knielang und mit einem Glas Champagner in der Hand. Am vorherigen Tag habe ich mir überlegt, ob ich eine Begleitung mitnehmen soll. Mir fiel nur eine meiner besten Freundinnen ein, die sich diesen Tag mit mir antun konnte, Larissa. Schon am Morgen schwiegen wir uns beide an. Und in genau diesen Moment tun wir das auch. Was gibt es denn Großartiges zu bereden? Dein Ex-Freund heiratet ein anderes Mädchen. Mehr gibt es wohl nicht dazu zu sagen. Larissa stand neben mir in ihrem schwarzen Kleid mit einem Glas Champagner in der Hand.

Wir beobachten die Leute die an uns hin und her vorbeigehen. Zwischen all denen seh ich dich. Du blickst dich um, du suchst gerade jemanden. Und unsere Blicke treffen sich. Dein Lächeln zerfetzt mich, also dreh ich mich um und gehe weg. Wohin? Das weiß ich auch nicht.

Ich gehe so schnell wie ich kann. Ich versuche die Trauer zu unterdrücken, denn es ist deine Hochzeit. Ich muss mich für dich freuen, dass du jemanden gefunden hast. Ich gehe schneller und schneller. Ich versuche zu fliehen. Du packst mich an der Hand. Du hälst mich fest. Wir bleiben stehen. Ich drehe mich um und du schaust mich an. Ohne es bemerkt zu haben, stehen wir beide alleine auf der Wiese, etwa 100 Meter von der Kirche entfernt. Für einen Augenblick ist eine angespannte Stille zwischen uns. Deine Hand haltet immer noch meine. Dein Lächeln verschwindet und du schaust mich mit einem ernsten Blick an. "Es tut mir Leid" sagst du. "Du darfst dich nicht an deiner Hochzeit entschuldigen." sage ich. Dein Blick wendet sich von mir ab und du blickst auf dem Boden. Ich weiß nicht was mich dazu gerade treibt, aber ich sage dir: "Ich bin hier um dich für deine Liebe zu gratulieren. Du heiratest heute ein nettes Mädchen, also entschuldige dich nicht für mich. Mir geht es gut." Und das war wohl offentsichtlich gelogen. "Wir sehen uns in der Messe", sage ich und gehe Richtung Kirche zurück. "Ich wusste nicht, ob du noch an uns geglaubt hast", rufst du zu mir. Liebend gerne, hätte ich mich umgedreht und dir gesagt, dass ich nie aufgehört habe zu glauben. Aber ich tu es nicht und gehe weiter.

 

Ich tauche aus dem Wasser heraus. Schwimmen tut wirklich gut. Es beruhigt den Körper. Ich lehne mich an den Beckenrand an und blicke hinauf. Es ist ein wolkenfreier, sternenklarer Himmel.

 

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Do

18

Nov

2010

The man with the never-ending smile

Es ist immer eine Überraschung, was für Menschen man in seinen Leben so antrifft...

 

Ein Mann mitte der dreißiger. Schnell bemerkt sind seine fehlenden Haare über seiner Stirn. Das Alter hat ihm trotz seines Erscheinens doch noch eingeholt. Er ist nicht wirklich attraktiv, aber ich muss hinzufügen, dass er eine gewisse Ausstrahlung hat. Zumindest nicht solch eine, der ich mich hingezogen fühle, aber positiv ist sie trotzdem. Mit einem kleinen Hauch von Skepsis. Das, was am meisten an ihn auffällt ist sein wirklich, wortwörtlich, fettes Grinsen im Gesicht. Glücklich muss er sein, denke ich mir. Erfolgreich und standhaft in seinem Leben. Er ist mein neuer Chef.

Wir hatten heute eine kleine Unterhaltung geführt. Eigentlich bin ich in die Arbeit gegangen, um nach einen Kollegen zu schauen. Aber das ist wohl gerade eine andere Story. Also kamen mein Chef und ich ins Gespräch.

 

Er machte mir zwei Cocktails. Eine mit Gurke, die andere mit Ingwer. Es hört sich zwar ein bisschen komisch an, aber geschmeckt haben sie natürlich "sowieso". Und warum in Anführungsstrichen?

Zunächst sollte ich einmal mit meinen ersten Eindruck bei ihm anfangen. Ich wurde schon vorher informiert, dass er sehr beliebt bei den Frauen ist und das in jeder Altersklasse bzw. sogar in meiner Altersklasse. Natürlich war ich sehr darüber erstaunt, dass die jungen Frauen so viel Interesse (und natürlich auch körperliches Interesse) an ihn zeigten. Er ist kleiner als ich und hat einen kleinen dicken Bauch. Es gibt nicht wirklich irgendetwas, wo man sagen könnte, dass er der nächste George Clooney sein wird. Aber sein Auftreten punktet anscheinend bei den Mädchen besonders. Tschuldige. Frauen.

Die nächste Eigenschaft von ihm ist seine Sprachgewandtheit. Das hat aber wohl auch damit zu tun, dass er sehr gebildet ist. Er hat sein Medizin-Studium und Psychologie-Studium abgeschlossen und ist gerade in seiner medizinischen Ausbildung zum plastischen Chirurg.

Was kann ich denn noch hinzufügen? Also bis dahin scheint er mir ein sehr konsequenter, intelligenter und selbstbewusster Mann zu sein. Und es kommt noch einiges zu seiner Persönlichkeit dazu.

Er hat viele Jahre in der Gastronomie gearbeitet. Sieben Jahre vorher auch sogar als Müllmann. Viele Lokale in Wien hat er eröffnet und zum Laufen gebracht. Mit vier Worten kann ich sagen: Er war ein einflussreicher Mann. Und ist es, wie ich während unserem Gespräch mitbekommen habe, immer noch.

Zum Liebesleben möchte ich nicht allzu viele persönliche Dinge beifügen. Aber eines darf man wohl über ihn wissen. Er ist ein Schlingel und er gibt es auch zu. Ehrlich ist er, wie man sieht.

Als ich damals in dem Restaurant angefangen habe, ist es mir selbst aufgefallen, wie viele unterschiedliche Frauen neben ihn standen und ihm am Bauch oder Kopf streichelten. Sicherlich waren es mehr, als ich überhaupt mitbekommen konnte.

Aber es gab niemals eine, wo ich gemerkt habe, dass etwas von seiner Seite aus zurück kam.

Und das hat mich ein wenig stutzig gemacht.

Heute fragte ich ihn, ob er noch an die Liebe glaubt. Aber wirklich geantwortet hat er mir nicht. Ich habe es eher selber aus seinen Sätzen heraus interpretiert.

Er sprach von erfolgreichen, sehr attraktiven und standfesten Frauen. Aber nie ist er an einer hängen geblieben (denke ich mir).

Sie kamen zu ihm zurück, erkundigten sich nach ihm, aber er selbst (hatte ich das Gefühl) war trotzdem mit keiner von ihnen wirklich zufrieden. Jedes Mal, wenn er von einer Frau geredet hatte, endete seine Geschichte mit Einfluss und Geld.

Es gab viele potentielle Frauen in seinem Leben, aber keine war wohl die "eine" für ihn.

Und da komme ich zurück zu meinen alten Blog. Für mich ist er eine Bestätigung meiner Theorie, dass es viele potentielle Lebenspartner gibt. Aber um DIE oder DEN einen zu finden, braucht es wohl mehr als nur Geld, Ausbildung und Standfestigkeit. Ich denke, es geht hier auch um die Chance, die man ergreifen musst, wenn sie oder er vor einem steht.

Er meinte zu mir, dass er es DREIMAL (ja 3mal) verhauen hat. Aber wieso dann dreimal? Seine Aussage hatte für mich in dem Moment nicht wirklich Sinn gemacht. Oder es hat an meinen Glauben nach etwas "Großem" angekratzt. Zerstört ist es natürlich nicht dadurch :)

Er ist standfest, selbstsicher und erfolgreich. Aber nach unserem Gespräch hat sich meine Aussage "Er ist glücklich mit seinem Leben" sehr geändert. Denn ich denke nicht, dass er, obwohl er nur am Grinsen ist, wirklich so glücklich ist, dass sein Herz lacht ohne dass seine Lippen sich bewegen müssen.

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So

03

Okt

2010

The wrong lover - my best friend

What do you do when you fall in love with one of your closest friend?

You love her/him, because you understand each other's life and thoughts.

You love that person because you can hang out with him/her everyday and you do not have to think that she/he does not like you.

You can be yourself in every way.

You laugh with this person everyday.

You talk on the phone with him/her.

You can trust him/her everything.

 

And then suddenly, you think that he/she is the right one for you. That's not true.

Right after your confession, the whole situation will change.

She/he won't laugh with you every day

She/he won't talk with you every day.

She/he wont trust you everything again.

 

She/He will change, because she/he does not want to hurt you. And in most cases, she/he only needs and sees you as a very good friend.

 

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